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nothing's gonna stop us now

2017 – Vom Limatief ins Sturmtief

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Wir kontrollieren noch die Wetterkarten – zwei unterschiedliche zur Sicherheit.

Wenig Wind; maximal 15 Knoten gegen 23 Uhr für 3 Stunden sind angesagt. Danach Flaute.

Wir legen gegen Mittag ab und kommen gut voran. 6-7 Knoten SOG direkt nach Mallorca. Gegen 22 Uhr legt der Wind zu. Wir reffen ins erste und zweite Reff, kurz danach weil ständig Wetterleuchten am Himmel zu sehen ist, ins dritte Reff.

15 Knoten waren angesagt, aber ab 23 Uhr sind es regelmäßig 25 – 30 Knoten. Und nicht nur für 3 stunden, sondern bis 5 Uhr früh. Wir bleiben beide an Deck, die ganze Zeit, nur kurze Nickerchen sind möglich. Das Schwerwettergewand haben wir bereits an, weil es immer wieder regnet.

Florian und Lukas liegen in den Heckkabinen, Kathi im Salon.

Alle 30 Minuten gehe ich selbst in den Salon, kontrolliere alle Anzeigen und sehe nach den Kindern.

Um 4:00 höre ich ein seltsames lautes Geräusch aus der Bugkabine. „Geh‘, Florian, hast du das Radio laufen lassen,“ denke ich mir und suche nach dem gerät. Aber die Geräusche kommen vom Bug selbst. „Der Anker!“ schießt es mir durch den Kopf. Ich stürze förmlich zurück in den Salon, öffne den Hauptschalterschrank und stelle die Ankerwinsch ab.

„Dietmar, ich muss zum Anker vor!“. Und tatsächlich, die Ankerwinsch hat sich selbstständig gemacht und Kette abgespult. Was für ein Glück. Wir dürften es sehr zeitig bemerkt haben, es ist nur ein Meter Kette, der an Deck liegt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir das Geräusch überhört hätten. Und was für ein Glück, dass wir noch eine zusätzliche Sicherung am Anker selbst angebracht hatten; die Ankerwinsch war uns schon in Port Ginesta eigenartig vorgekommen.

Endlich, um 4:30 früh lässt der Wind nach. Wir glauben schon, es geschafft zu haben, da baut sich vor uns die nächste super dunkle Gewitterfront auf.

Darf das wahr sein? Die Windanzeige klettert auf 35 knoten, auf 38 Knoten, in den Böen auf 40 Knoten – 40 Knoten direkt auf die Nase. Wo – bitte – bleibt die Flaute?

Das Großsegel können wir nicht mehr bergen. Was jetzt? Ablaufen, das ist unsere einzige Chance.

Wir fallen ab auf Halbwindkurs, fieren Großsegel und Genua so sehr, dass der Wind durchpfeift und halten Kurs auf den Norden von Mallorca.

Ich zähle die Minuten. Vielleicht noch eineinhalb Stunden, dann geht die Sonne auf. Aber auch dieser Kurs nimmt dem Starkwind nicht seine Kraft.

Das Bimini reißt einmal mehr; es schlägt und ist schrecklich laut. Wir bergen das Bimini, noch weniger Schutz.

Der Rumpf schlägt immer wieder gegen die Wellen. Ein Geräusch, das durch Mark und Bein geht. Das weckt die Kinder. „Alles okay,“ beschwichtigen wir und hoffen, ganz überzeugend zu wirken.

Endlich um 7 Uhr ist der Spuk vorbei. Wir sind beide fix und fertig. Wir haben zum Glück nur 7 Meilen Distanz verloren. Abwechselnd schlafen wir ein wenig und motoren  in der angekündigten Flaute nach Camp del Mar.

Ein Himmelreich für einen Ankerplatz.

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