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RESUMEE

03: RESUMEE des dritten MONATS „AUSZEIT unter SEGELN“

Bordschule ist wie 6 Bft gegenan, Nebel und 3 m hohe Wellen!

Nahezu alle Fahrtensegler unterrichten ihre Kinder und das Thema „Bordschule“ wird in jedem Hafen diskutiert (gelegentlich auch unter den Kindern). Zum Glück scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass Bordschule immer am Vormittag stattfindet und in dieser Zeit keinerlei Störungen zugelassen sind. Erst gegen Mittag resp,. am frühen Nachmittag klopfen dann die ersten Kinder an die Bordkante um nachzufragen, was für den Nachmittag geplant ist.

Zugegebenermaßen stellt die Bordschule für uns alle eine große Herausforderung dar. Und diese ist vielfältig:

Wir Lehrerinnen sind keine richtigen Lehrerinnen und es ist halt einfach auch schon sehr, sehr lange her, dass wir uns mit den Grundzügen der deutschen Grammatik, dem Rechnen mit Dezimalzahlen (resp. wie erklärt man das Rechnen mit Dezimalzahlen…) oder den „irregular verbs“ in der Past Tense beschäftigt haben. Verwenden ist relativ einfach, aber erklären, warum das alles so ist, ist deutlich schwieriger.

Ein weiterer Punkt betrifft den Inhalt unserer Stunden. Die meisten anderen Bordschüler der Nachbarboote sind SchülerInnen einer Fernschule, die sehr genau vorgibt, was zu lernen ist und regelmäßig den Fortschritt prüft. Das haben wir nicht. Wir haben zwar alle Bücher, aber was den Lernerfolg anlangt, sind wir auf unsere eigenen Überprüfungen angewiesen. Und vielleicht sind wir da gelegentlich auch zu streng :_).

Andererseits geht es auch um das Organisieren der Lehrstunden selbst.

Obwohl die Bücher und Arbeitshefte wirklich gut sind, haben wir unseres Erachtens nicht genug Aufgaben mit, um den Stoff, den wir mit den Kindern durchnehmen, auch ausreichend zu üben. Die „losen“ Zetteln, die die Kinder immer zusätzlich mit den LehrerInnen in der Schule geübt haben, fehlen uns natürlich.

Daher müssen wir regelmäßig selbst Aufgaben erfinden. Traude geht in dieser Aufgabe förmlich auf. Seitenweise erstellt sie für Florian Angaben für Rechnungen mit Dezimalzahlen und Brüchen und Geometriebeispiele. Katharina und Lukas müssen „Satzbestimmungen aus normalen Büchern“ machen oder englische Vokabel für Gegenstände des täglichen Bedarfes aus dem Wörterbuch heraussuchen. Und dazu zählen zur Zeit in erster Linie Worte wie „screwdriver, nut, saw, rope, tube“.

Und wir müssen immer auch „wellengerechte“ Aufgaben finden, also Aufgaben, die die Kinder bei höheren Wellen ohne Tisch oder mit dem Heft auf den Knien lösen können. Denn würden wir zu oft „wellenfrei“ ausrufen, würden wir wohl kaum den Stoff der jeweiligen Klasse in diesem Jahr durchnehmen können. Wir ergänzen daher die schriftlichen Arbeiten um Englisch- und Spanisch-Kreuzworträtsel, normale Kreuzworträtsel, Sudoku und diverse Quizspiele (zB Geografie, Europa) oder wir machen mündliche Wiederholungen. Eine Zeit lang durfte Lukas beim Geschirrabtrocknen Verben im „Present simple“ konjugieren.

Für die Kinder ist es auch nicht gerade einfach. Die natürliche Distanz zur Lehrerin fehlt. Wenn die Mama etwas erklärt, wirkt das halt weit weniger richtig, als wenn es die Frau Lehrerin macht. Wie oft musste ich mich schon mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass das die Frau Lehrerin in Sta. Christiana aber anders gemacht hat.

Und der Gruppendruck und der tägliche Vergleich zu den Mitschülerinnen fehlt. Und der Vergleich zur eigenen Schwester ist nicht gerade das, was den Brüdern Spaß macht. Und umgekehrt.

Aber wir sehen auch große Erfolge. Alle drei sprechen sehr oft Englisch (mit Freude und ohne sprachliche Berührungsängste) , gelegentlich Spanisch und haben schon einige Worte Holländisch und Französisch gelernt.

Alles in allem aber: Es ist anstrengend und herausfordernd, die Konsequenz aufzubringen, nahezu jeden Tag Bordschule zu machen, und erfordert mindestens so viel Aufmerksamkeit wie 6 Bft gegenan mit Nebel und hohen Wellen.

In der Vorbereitung zu dieser Auszeit habe ich in einem der vielen Fahrtenseglerbücher folgendes dazu gelesen:

Wie lange dauert eine Segelauszeit mit Kindern im Durchschnitt?
So lange, bis die Eltern wegen der Bordschule entnervt das Handtuch werfen und wieder zurück segeln.

🙂 kein weiterer Kommentar!

02: RESUMEE des zweiten MONATS „AUSZEIT unter SEGELN“

Easy. Easy Going.

„Easy“

Das erste Monat Auszeit unter Segeln war hart. Während viele andere Crews, die wir zwischenzeitlich kennengelernt haben, die Südenglische Küste mangels Wind unter Motor erkunden mussten, hatten wir Wind, Wellen, Gewitter und gelegentlich alles zusammen. Und dazu noch die Unerfahrenheit mit dem eigenen Boot, die anfänglichen Berührungsängste mit dem Funk, die Gezeiten und die unzähligen Nachtfahrten. Wenn ich mich an diese Zeit zurückerinnere, dann fällt mir sofort das enorme Gefühl der „Erleichterung“ ein, als wir nach dem fürchterlichen Gewitter auf See in der Dunkelheit wider Erwarten in der Minimarina von Mevagissey einen Platz an der Kaimauer finden konnten und dann waschelnass, aber in der Abdeckung der 4 Meter hohen Kaimauer vollkommen geschützt und ruhig im Salon gesessen sind.

Ganz anders nun das zweite Monat Auszeit unter Segeln.

Sommer, Sonne, warmes Wasser, gelegentlich viel Wind und hohe Wellen, aber zumeist von achtern und selten gegenan. Easy. Auch die vielen kleinen Probleme. alles machbar. So empfinden wir es. Aber vielleicht liegt es auch nur am Drumherum, am gesellschaftlichen Leben, am SeglerInnendasein. Denn das ist

„Easy Going“.

Mit Falmouth und dem doch unerwartet frühen Zusammentreffen mit der HeckoGecko ist der Bann gebrochen. Auf einmal scheinen rings um uns herum nur noch Fahrtensegler mit Kindern zu sein. Franzosen, Belgier, Dänen, Norweger und Deutsche, die alle mehr oder weniger denselben Weg und Zeitplan vor sich haben. Und diese Gemeinschaft ist eine Bereicherung.  Wir teilen „Proviant-Taxis“, machen gemeinsame Spaziergänge oder Ausflüge, helfen einander mit Ersatzteilen aus oder tauschen Brotbackrezepte aus. Hier eine nette Plauderei, da ein Sundowner, dort ein gemeinsames Cockpitessen. Viele Geschichten, viele Tipps, viel Spaß. Und ganz viel Gemeinschaftsgefühl.

Aber noch mehr als wir Erwachsenen genießen die Kinder diese neu gewonnenen Freundschaften. Kein Hafen oder Ankerplatz, ohne dass wir auf bereits bekannte Gesichter treffen. Kaum vor Anker, schon legt ein Kinderdinghi an. Kaum im Hafen, schon winken ein paar Kinder und fragen (zumeist mit französischem oder holländischem Akzent) nach Florian, Luki und Kathi (Floriiiiiiii, Lükiiiiiiii, Kaaaathiiiiii). Florian erweist sich ja als Sprachengenie und quatscht jedes Boot (auch ohne Kinder) an. Aber auch Lukas und Katharina lassen keine Gelegenheit aus und parlieren mit: „Come, wait, I go swimming, a big fish, merci, ca va, un, deux, trois, um, dois, tres, ik heb twee broers, ik vind je heel leuk, this is beautiful, merci beaucoup, madame.“ So einfach ist es auf einmal, sich in verschiedenen Sprachen zu unterhalten, und Spaß zu haben.

Während also anfänglich das Segeln der anstrengende Part ist, ist jetzt das vielsprachige und aufregende Marinaleben „exhausting“ und 12 Stunden auf See dienen geradezu der Erholung.

Aber wie heißt es doch (in Abwandlung einer Werbung der Wirtschaftskammer): Geht es den Kindern gut, dann geht es den Eltern gut.

01: RESUMEE des ersten MONATS „AUSZEIT unter SEGELN“

Schon ein ganzes Monat vorbei? Unglaublich, wie schnell das geht!
Erst ein ganzes Monat vorbei? Es kommt uns vor, als wären wir schon Monate unterwegs – so viel haben wir bereits erlebt.

Die Tage auf See und insbesondere beim Segeln vergehen unglaublich schnell. Bei diesen windstarken Bedingungen sitzt man keine Minute ruhig auf dem Boot.

  • Segel trimmen, Leinen aufschießen, auf dem Plotter den Kurs nachziehen, zwei Grad mehr anluven, den Wetterbericht über Funk anhören, mit dem Fernglas andere Schiffe suchen, drei Fischerbojen ausweichen, Logbuch nachschreiben, das Hafenhandbuch nachlesen, den Kurs auf der Karte einzeichnen, die Reffbändsel herrichten, das Großsegel reffen, das Großsegel wieder setzen, die Genua reffen, die Genua nochmals reffen, den Genuaholepunkt versetzen, die Genua wieder setzen, ….
  • Und wenn dann endlich etwas Luft wäre, geht es unter Deck weiter. „Aux noir“ leeren. Ventile kontrollieren. Bilgepumpe kontrollieren. Den Inhalt von zwei Schapsen besser verstauen. Den Kühlschrank nachfüllen. Die Staupläne kontrollieren. Die Einkaufsliste ergänzen, eine Distressmeldung entgegen nehmen, auf der Karte den Ort suchen, Kanal 16 weiter anhören.
  • Und wenn das dann auch endlich erledigt ist, dringt ein leises „Mama, wir sind so hungrig!“ aus dem Cockpit zur Pantry und eingekeilt zwischen Spüle und Herd versucht man/frau alles das zum Einsatz zu bringen, was wir einst beim Yoga an Verrenkungen gelernt haben, um der braven Segelcrew starkwindtaugliches Essen zu kredenzen.
  • Und spätestens wenn alle sechs versorgt sind, müssen wieder Segel getrimmt, der Wetterbericht auf Funk angehört, das Logbuch nachgeschrieben werden, ….

Und wen wundert es dann, wenn im Zielhafen (oder vor Anker liegend) dem Blick auf die Uhr ein ungläubiges „WAAAAAAASSSSSSSSSS, es ist schon 21 Uhr?“ folgt. Niemanden. Außerdem, ist dafür jetzt ohnehin keine Zeit, denn aus dem Cockpit dringt ein leises „Mama, wir sind so hungrig!“. Wenigstens ist im Hafen die Krängung nicht so stark……

Aber Spaß beiseite:

Wenn wir am Abend in unserem „Schlafzimmer“ liegen, müde und mit mindestens einem blauen Fleck mehr (auf der nach oben hin offenen Blaue-Flecke-Skala), dann sind wir glücklich und zufrieden, zusammen wieder einen tollen Tag erlebt und viele Herausforderungen gemeistert zu haben.

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3 Kommentare zu “RESUMEE

  1. Hallo ihr Lieben, ihr könnt wirklich stolz auf euch und eure Crew sein, denn was ihr alles in diesen fast vier Wochen erlebt habt, füllt einen Roman. Der erste Weg frühmorgens und der letzte Weg abends ist der zum Computer, um wieder Neuigkeiten von euch zu erfahren. Leider nicht immer Positives, aber gemeinsam und teilweise mit euren Freunden schafft ihr das ja hervorragend. Wir wünschen euch für die nächste Zeit etwas „ruhigere“ Segeltage und auch ein wenig Erholung von den diversen Strapazen. Und für die Kinder weiterhin „Petri Heil“.
    Gruß auch an Traude und Bussi an die Kinder.
    Traude und Willi

  2. das ist schön, richtig und wichtig, denn wenn es den Kindern und Enkerln gut geht, dann geht es auch den Großeltern viel besser!!!1
    Liebe Grüsse Oma und Opa.

  3. Macht viel Spaß Eure Gedanken und Berichte zu lesen und natürlich auch die Fotos anzusehen!
    Weiterhin eine spannende Zeit mit vielen Eindrücken, Freundschaften und Sundownern und eine sicher Fahrt!
    Liebe Grüße Christoph

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