Mit der kleinen Insel Anafi, östlich von Santorin und gute 60 Seemeilen von Agios Nikolaos entfernt, verbinden mich schöne und weniger schöne Erinnerungen.
Bei unserem ersten Frühjahrstörn 2024 haben wir auf Empfehlung von Michael, dem Stegnachbarn, der Insel einen Besuch abgestattet. Anafi war für mich danach der Inbegriff vom griechischen Inseltraum. Kleine Insel, kleiner Hafen, 35 Minuten beleuchteter, steiler Fußmarsch zur Chora und viele kleine, eng aneinander gebaute, strahlend weiße Häuser.
2025 wollen wir beim Frühjahrstörn wieder nach Anafi. Aber die Bedingungen sind ungleich schlechter. Sehr viel Wind erschwert die ohnehin schon trickige Einfahrt. Weil die Einfahrt in den Hafen nach und nach versandet, muss man in einem sehr engen Korridor nahe dem Wellenbrecher fahren.

Das gelingt uns nicht, wir sitzen kurz im Sand auf. Den Verlauf der Sandbank sieht man gut auf diesem Foto (gelbe Bojen).

Beim Ablegen am nächsten Morgen hat der Wind nochmals zugelegt; 25er – 30er Böen ohne Ende. Wir versuchen mit „in die Vorspring eindampfen“ von der Kaimauer loszukommen. Dabei verheddert sich eine Leine und zwickt mir die Fingerkuppe vom linken Mittelfinger ab. Versorgen, ein wenig ausrasten und beim zweiten Versuch zwei Stunden später klappt das Manöver, auch weil der Wind ein wenig nachgelassen hat. Allerding sitzen wir wieder auf bei der Ausfahrt. Damit ist Anafi von der Liste der „Hotspots“ gestrichen. Leider. Mein schiefer linker Mittelfinger ist eine ewige Errinenrung daran.
Weil so wenig Wind ist und nördliche Ankerplätze rar sind, bleibt uns dieses Mal nichts anderes über, als nochmals Anafi anzusteuern. In Navily gibt es einige aktuelle Einträge zur Einfahrt. Im Juni und Juli ging es gut mit 2,7m an der seichtesten Stelle; im September sind drei Boote aufgesessen. Neu ist allerdings, dass gelbe Bojen die Sandbank markieren.
Plan A: Wir wollen nahe der Einfahrt ankern und dann mit dem Dinghi und einem Lot die Tiefe selbst überprüfen. Einen alten und rostigen Franzosen binden wir an eine Leine und markieren; 2,3m, 2,5m, 2,7m, 2,9m. Wenn nicht tief genug (mindestens 2,5m), zieht Plan B.
Plan B: Wir bleiben vor Anker. Wenn der vorhergesagte SW-Wind zu unangenehm wird, weil dieser Ankerplatz keinen Schutz bietet, segeln wir direkt los nach Kreta.
Ungefähr 1,5 Seemeilen vor der Einfahrt, beobachten wir, wie ein Segelboot langsam in den Hafen hineinsteuert. Es sendet AIS-Signale. Wir checken die MMSI und finden heraus, dass es eine norwegische Segelyacht namens Sophia ist. Wir versuchen sie über Funk Kanal 16 zu erreichen. Dann schicken wir sogar eine DSC Nachricht. Kein Erfolg. Aber die Segelyacht dürfte ungefähr so groß sein wie unsere. Gut, dann versuchen wir auch, hineinzufahren. Ohne Lot. Es geht kein Wind, wir sehen problemlos, wie tief oder seicht es unter uns ist.
Langsam tastet sich Dietmar heran. Ganz, ganz eng am Wellenbrecher. Ich sage ständig die Tiefe an. 3,7m, 3,6m, 3,2m.Wir sind schon an der Einfahrt wo wir letztes Jahr zwei Mal aufgesessen sind. An Backbord kann ich die Felsen unter mir sehr gut erkennen. 2,8m, 2,7m, 2,8m, 3,0m. Wir sind durch. Super.
Anafi ist wieder ein Hotspot.
