sy starship

nothing's gonna stop us now

STARSHIP X-ing day 17 bis day 25

Ein Kommentar

day 17

Seit Tagen freuen wir uns auf den 11.12.2013. Die Gribfiles versprechen Wind, die Tradewinds setzen ein. Mit 20 Knoten, vielleicht auch etwas mehr aus Nordost. Endlich.

Wir setzen den Parasailor und ab geht die Post. Meine Wache beginnt um 2:00 Uhr in der Früh. Ich schaffe 6,5 Knoten, 7 Knoten, 7,5 Knoten. Die Starship rast durch die Nacht. Bei 8 Knoten Speed over Ground wecke ich Dietmar. „Schnell, wir müssen den Parasailor bergen. Der Wind ist auf über 23 Knoten.“ Wir schalten das Decklicht an, mit dem großen Suchscheinwerfer unterstützt mich Dietmar aus dem Cockpit aus, wo er die Leinen bedient. Ich bin mit zwei Lifelines gesichert. Trotzdem auf dem kleinen Vordeck ist kaum Platz für mich. Beide haben wir Funkgeräte, wir würden sonst nichts verstehen. Auf Kommando fiert Dietmar die Achterleinen des Parasailors und ich versuche mit der Leine, die zum Snuffer führt, den Snuffer über den Parasailor zu ziehen. Es ist Schwerstarbeit. Zweimal rutscht mir die Reffleine durch die Finger. Obwohl ich Handschuhe anhabe, hängen die Hautfetzen von meinen Fingerkuppen. Es schmerzt. Beim dritten Anlauf habe ich den Snuffer so weit herunten, dass ich das Segel über die Reling auf den Bug heben könnte. Aber der Wind hat zugenommen und reißt mir den Parasailor mehrmals aus der Hand. Endlich kann ich zwei Leinen an den Klampen befestigen und den Snuffer sichern. Dietmar fiert das Parasailorfall. Ich versuche den Schlauch zur Gänze zu bergen und in die Tasche zu legen. Aussichtslos. Der Winddruck ist so hoch. Jedes Mal, wenn eine Böe kommt, reißt es den Schlauch in die Höhe und die 4 Leinen (2 Schoten und 2 Niederholet) drehen sich ineinander ein. Ich kann nur versuchen, Meter für Meter hereinzuholen und unter mir zu stapeln. Mein rechter Arm tut schon so weh. Mittlerweile knie ich, um mit den Knien den Parasailor zu sichern. Endlich die letzten Meter. Das Segel ist unten. Irgendwie stopfe ich den Parasailor in die Tasche. Ich will die Schoten von den Schothörner nehmen. Geht nicht. Klemmt. Alle Leinen haben sich um den Anker verwickelt. Auch das noch. Ich hänge meine Lifelines um und balanciere auf den Bug Korb hinaus zum Anker. Unter mir rauscht nur so das Wasser. Es dauert einige Minuten, bis ich die Vermankelung geklärt habe. Ich sichere die Leinen, sichere die Parasailortasche und klettere gebückt zum Cockpit zurück. Ich bin waschelnass. Mir rinnt der Schweiß nur so von der Stirn und ich bringe kein Wort heraus, so trocken ist meine Kehle.

Um 04:15 setzen wir die Genua.

day 18 bis 23

Die Nacht mit der schlagenden Genua ist unerträglich. So geht es nicht weiter. Wir müssen die Genua mit dem Spibaum ausbäumen. Das haben wir noch nie gemacht.

Überlegt haben wir es uns wohl. Als Topnant verwenden wir das Spifall 2. Statt eines Baumniederholers verwenden wir zwei und zwar jeweils ein Parasailorleinen-Paar. Damit können wir den Baum sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe total stabilisieren. Die Genuaschot hängen wir über eine extra Rolle ein. Damit können wir die Genua einreffen und ausreffen ohne uns Gedanken über den Baum machen zu müssen.

Es klappt und endlich können wir den Passatwind so richtig gut nutzen. Der Wind nimmt weiter zu. 25 Knoten. 30 Knoten. 35 Knoten. Die Böen detto. Oftmals scheint der 40er auf der Windanzeige auf. Wir reffen zeitig. Wir wollen nichts riskieren. Die Wellenhöhe steigt auch an. Wir haben eine Mischung auf Windwelle und Dünung. Beides zusammen ergibt Wellen um die 4 Meter, vielleicht auch gelegentlich höher.

Unser Geschwindigkeit liegt oft bei 7,5 bis 8 Knoten. Beim Hinuntersurfen auf den Wellen erreichen wir Spitzen über 10 Knoten, einmal sogar 15 Knoten.

Entspannt sind wir nicht. Ständig kontrollieren wir den Himmel auf der Suche nach Squalls. Drei Mal erwischt uns eine richtige Squall-Line. Der Himmel ist dunkelschwarz. Der Wind wird noch stärker und nach und nach ergießen sich mehrere Gewitterwolken über uns. 44,1 Knoten zeigt der Windmesser.

Wache halten ist anstrengend. Insbesondere in der Nacht. Und keiner kann durchschlafen. Denn Reffen, wenn der Ausgangswind schon bei 30 Knoten ist, ist keine single-handed Aktion.

So geht es bis 17.12 weiter. Viel Wind, viel Welle, anstrengende Nächte, kaum Schlaf. Und viele blaue Flecken. Denn das Boot rollt und schaukelt.

Katharina möchte einen „Kinderkaffee“. Ich gebe ihr die Tasse. Plötzlich eine hohe Welle und der heiße Kaffee ergießt sich über ihren Oberkörper und Bauch. Sie schreit wie am Spieß. Ich reiße ihr das T-Shirt herunter und schleppe sie förmlich ins Bad. Aus Panik will sie sich nicht bewegen. Ich dusche sie mit kaltem Wasser ab. Während dessen bringen Lukas und Traude kalte Tücher und legen weitere nasse Tücher in das Gefrierfach. Katharina heult und schreit: „ Es brennt so stark.“ Langsam können wir sie beruhigen. Immer wieder tauschen wir die eiskalten Tücher aus. Das bringt Linderung. Ein Cola gibt es zur Ablenkung. Eine Stunde später geht es ihr schon wieder besser. Die Wunde am Bauch ist nicht so groß. Die Stelle am Oberkörper schon. Wir kühlen weiterhin und cremen mit Fenistil ein. Es wird schon werden. Sie hat noch einmal Glück gehabt.

Auf dem Plotter sehen wir seit Tagen erstmals ein anderes Boot. Unser Kurs, in etwa unser Speed. „Sailingvessel on Position approx. 14°14 N 50° W. This is Starship. Can you read me?“ Zunächst keine Antwort. Erst ein paar Minuten später meldet sich die belgische SY IKIRO. Wir plaudern ein wenig und dann erzählt IKIRO, dass sie unser Boot kennen. Sie haben in Mindelo die SY Marianne kennen gelernt und die haben von uns erzählt. Schon wieder – so klein ist die Seglerwelt. Damit ist auch der Bann gebrochen und wir funken im 12-Stunden Rhythmus. So ein netter Kontakt – mitten auf dem Atlantik.

day 24

Es sind nur noch 400 Seemeilen. Eine Kleinigkeit nach so vielen Seemeilen. Aber der Wind lässt nach. Dabei waren gute 20-22 Knoten angesagt.

Wir motoren. Das müssen wir ohnehin, denn unsere Solarpanele bringen bei diesem durchwachsenen Wetter nicht genug Eintrag.

Am späten Nachmittag erwischt uns wieder eine Squall-Line und zwar eine, die wir auf dem Radar nicht sehen konnten. Wir reffen und segeln dann eine gute Stunde im strömenden Regen. Der Regen geht, der Wind bleibt. Die ganze Nacht hindurch begleiten uns 20 – 25 Knoten Wind. Wir sind richtig dankbar. Florian und Traude halten bis Mitternacht Wache. Dann übernehmen Dietmar und ich abwechselnd. Gerade im richtigen Moment, denn der Wind legt wieder auf 35 Knoten zu.

Die vorletzte Nacht auf See. Das Ziel ist so nahe.

day 25

Es sind nur noch 200 Seemeilen. Manchmal Wind, manchmal nur Geschaukel. Wann immer es geht, setzen wir Segel. ansonsten Motor. Aber ein Traumwetter. Die Karibik lässt grüßen. Und die Stimmung an Bord: Super gut. Wir sind dem Ziel so nahe. Aber dazu mischt sich auch ein wenig Wehmut: Bald haben wir diese Herausforderung bewältigt.

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Ein Kommentar zu “STARSHIP X-ing day 17 bis day 25

  1. hallo liebe starshipper, nach meinen berechnungen muesstet ihr den atlantik heute bezwungen haben. ich gratuliere euch schon mal recht herzlich, toll was ihr geschafft habt. sollte es nicht so sein, noch viel kraft fuer die letzten meilen, jetzt kann euch nichts mehr stoppen! handbreit weiterhin wuenscht euch andrea u volker

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