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STARSHIP X-ing day 17 bis day 25

day 17

Seit Tagen freuen wir uns auf den 11.12.2013. Die Gribfiles versprechen Wind, die Tradewinds setzen ein. Mit 20 Knoten, vielleicht auch etwas mehr aus Nordost. Endlich.

Wir setzen den Parasailor und ab geht die Post. Meine Wache beginnt um 2:00 Uhr in der Früh. Ich schaffe 6,5 Knoten, 7 Knoten, 7,5 Knoten. Die Starship rast durch die Nacht. Bei 8 Knoten Speed over Ground wecke ich Dietmar. „Schnell, wir müssen den Parasailor bergen. Der Wind ist auf über 23 Knoten.“ Wir schalten das Decklicht an, mit dem großen Suchscheinwerfer unterstützt mich Dietmar aus dem Cockpit aus, wo er die Leinen bedient. Ich bin mit zwei Lifelines gesichert. Trotzdem auf dem kleinen Vordeck ist kaum Platz für mich. Beide haben wir Funkgeräte, wir würden sonst nichts verstehen. Auf Kommando fiert Dietmar die Achterleinen des Parasailors und ich versuche mit der Leine, die zum Snuffer führt, den Snuffer über den Parasailor zu ziehen. Es ist Schwerstarbeit. Zweimal rutscht mir die Reffleine durch die Finger. Obwohl ich Handschuhe anhabe, hängen die Hautfetzen von meinen Fingerkuppen. Es schmerzt. Beim dritten Anlauf habe ich den Snuffer so weit herunten, dass ich das Segel über die Reling auf den Bug heben könnte. Aber der Wind hat zugenommen und reißt mir den Parasailor mehrmals aus der Hand. Endlich kann ich zwei Leinen an den Klampen befestigen und den Snuffer sichern. Dietmar fiert das Parasailorfall. Ich versuche den Schlauch zur Gänze zu bergen und in die Tasche zu legen. Aussichtslos. Der Winddruck ist so hoch. Jedes Mal, wenn eine Böe kommt, reißt es den Schlauch in die Höhe und die 4 Leinen (2 Schoten und 2 Niederholet) drehen sich ineinander ein. Ich kann nur versuchen, Meter für Meter hereinzuholen und unter mir zu stapeln. Mein rechter Arm tut schon so weh. Mittlerweile knie ich, um mit den Knien den Parasailor zu sichern. Endlich die letzten Meter. Das Segel ist unten. Irgendwie stopfe ich den Parasailor in die Tasche. Ich will die Schoten von den Schothörner nehmen. Geht nicht. Klemmt. Alle Leinen haben sich um den Anker verwickelt. Auch das noch. Ich hänge meine Lifelines um und balanciere auf den Bug Korb hinaus zum Anker. Unter mir rauscht nur so das Wasser. Es dauert einige Minuten, bis ich die Vermankelung geklärt habe. Ich sichere die Leinen, sichere die Parasailortasche und klettere gebückt zum Cockpit zurück. Ich bin waschelnass. Mir rinnt der Schweiß nur so von der Stirn und ich bringe kein Wort heraus, so trocken ist meine Kehle.

Um 04:15 setzen wir die Genua.

day 18 bis 23

Die Nacht mit der schlagenden Genua ist unerträglich. So geht es nicht weiter. Wir müssen die Genua mit dem Spibaum ausbäumen. Das haben wir noch nie gemacht.

Überlegt haben wir es uns wohl. Als Topnant verwenden wir das Spifall 2. Statt eines Baumniederholers verwenden wir zwei und zwar jeweils ein Parasailorleinen-Paar. Damit können wir den Baum sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe total stabilisieren. Die Genuaschot hängen wir über eine extra Rolle ein. Damit können wir die Genua einreffen und ausreffen ohne uns Gedanken über den Baum machen zu müssen.

Es klappt und endlich können wir den Passatwind so richtig gut nutzen. Der Wind nimmt weiter zu. 25 Knoten. 30 Knoten. 35 Knoten. Die Böen detto. Oftmals scheint der 40er auf der Windanzeige auf. Wir reffen zeitig. Wir wollen nichts riskieren. Die Wellenhöhe steigt auch an. Wir haben eine Mischung auf Windwelle und Dünung. Beides zusammen ergibt Wellen um die 4 Meter, vielleicht auch gelegentlich höher.

Unser Geschwindigkeit liegt oft bei 7,5 bis 8 Knoten. Beim Hinuntersurfen auf den Wellen erreichen wir Spitzen über 10 Knoten, einmal sogar 15 Knoten.

Entspannt sind wir nicht. Ständig kontrollieren wir den Himmel auf der Suche nach Squalls. Drei Mal erwischt uns eine richtige Squall-Line. Der Himmel ist dunkelschwarz. Der Wind wird noch stärker und nach und nach ergießen sich mehrere Gewitterwolken über uns. 44,1 Knoten zeigt der Windmesser.

Wache halten ist anstrengend. Insbesondere in der Nacht. Und keiner kann durchschlafen. Denn Reffen, wenn der Ausgangswind schon bei 30 Knoten ist, ist keine single-handed Aktion.

So geht es bis 17.12 weiter. Viel Wind, viel Welle, anstrengende Nächte, kaum Schlaf. Und viele blaue Flecken. Denn das Boot rollt und schaukelt.

Katharina möchte einen „Kinderkaffee“. Ich gebe ihr die Tasse. Plötzlich eine hohe Welle und der heiße Kaffee ergießt sich über ihren Oberkörper und Bauch. Sie schreit wie am Spieß. Ich reiße ihr das T-Shirt herunter und schleppe sie förmlich ins Bad. Aus Panik will sie sich nicht bewegen. Ich dusche sie mit kaltem Wasser ab. Während dessen bringen Lukas und Traude kalte Tücher und legen weitere nasse Tücher in das Gefrierfach. Katharina heult und schreit: „ Es brennt so stark.“ Langsam können wir sie beruhigen. Immer wieder tauschen wir die eiskalten Tücher aus. Das bringt Linderung. Ein Cola gibt es zur Ablenkung. Eine Stunde später geht es ihr schon wieder besser. Die Wunde am Bauch ist nicht so groß. Die Stelle am Oberkörper schon. Wir kühlen weiterhin und cremen mit Fenistil ein. Es wird schon werden. Sie hat noch einmal Glück gehabt.

Auf dem Plotter sehen wir seit Tagen erstmals ein anderes Boot. Unser Kurs, in etwa unser Speed. „Sailingvessel on Position approx. 14°14 N 50° W. This is Starship. Can you read me?“ Zunächst keine Antwort. Erst ein paar Minuten später meldet sich die belgische SY IKIRO. Wir plaudern ein wenig und dann erzählt IKIRO, dass sie unser Boot kennen. Sie haben in Mindelo die SY Marianne kennen gelernt und die haben von uns erzählt. Schon wieder – so klein ist die Seglerwelt. Damit ist auch der Bann gebrochen und wir funken im 12-Stunden Rhythmus. So ein netter Kontakt – mitten auf dem Atlantik.

day 24

Es sind nur noch 400 Seemeilen. Eine Kleinigkeit nach so vielen Seemeilen. Aber der Wind lässt nach. Dabei waren gute 20-22 Knoten angesagt.

Wir motoren. Das müssen wir ohnehin, denn unsere Solarpanele bringen bei diesem durchwachsenen Wetter nicht genug Eintrag.

Am späten Nachmittag erwischt uns wieder eine Squall-Line und zwar eine, die wir auf dem Radar nicht sehen konnten. Wir reffen und segeln dann eine gute Stunde im strömenden Regen. Der Regen geht, der Wind bleibt. Die ganze Nacht hindurch begleiten uns 20 – 25 Knoten Wind. Wir sind richtig dankbar. Florian und Traude halten bis Mitternacht Wache. Dann übernehmen Dietmar und ich abwechselnd. Gerade im richtigen Moment, denn der Wind legt wieder auf 35 Knoten zu.

Die vorletzte Nacht auf See. Das Ziel ist so nahe.

day 25

Es sind nur noch 200 Seemeilen. Manchmal Wind, manchmal nur Geschaukel. Wann immer es geht, setzen wir Segel. ansonsten Motor. Aber ein Traumwetter. Die Karibik lässt grüßen. Und die Stimmung an Bord: Super gut. Wir sind dem Ziel so nahe. Aber dazu mischt sich auch ein wenig Wehmut: Bald haben wir diese Herausforderung bewältigt.


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STARSHIP X-ing day 10 bis day 16

day 10 bis day 11

Noch immer kein Wind. Wir motoren – sparsam – und machen max. 4 Knoten pro Stunde. Es geht direkt nach Mindelo.

day 12

Um 10:00 kommen wir in Mindelo an. Wir können nicht gleich zur Tankstelle, sondern ziehen im Hafenbecken unsere Kreise. Wir entdecken die SY Millport II, sie winken uns freudigst und rufen herüber: „Wie toll, dass es euch gut geht. Wir haben von eurem Problem schon gehört!“. Dann gleich zur Tankstelle. Wir tanken knappe 138 l Diesel. Für 80 Motorstunden ein sehr guter Wert. Tanken heißt aber auch, dass wir trotzdem an Land müssen. Immigration. Dauert zwei Stunden, am Rückweg besorgen wir noch Obst. Wir haben gar keine Lust, an Land zu bleiben, sondern wollen gleich wieder weiter. Bei der Rückkehr zum Boot empfängt uns Florian freudigst: „Ich habe hier einen Österreicher getroffen. Florian, Florian Zeh!“ Aber den kennen wir doch – zu mindestens seinen Blog. Er ist der Neffe eines Ehepaares, das sich während unserer Abwesenheit um Traudes Haus kümmert. So klein ist die Seglerwelt. 10 Minuten später sitzt auch schon der Onkel bei uns an Bord.

Aber um 17:00 legen wir ab. Seite an Seite mit SY Nefeli.

day 13

Endlich wirklicher Atlantik. Schaukeln und Rollen. Wir haben fast 5 Bft Wind aus Westen und kommen gut voran. Zwei Goldmakrelen runden den guten Tag ab. Aber die Nacht ist hart. Um mit SY Nefeli Schritt zu halten, müssen Dietmar und ich die ganze Nacht immer wieder Manöver machen. Das zerrt an unseren Kräften und Nerven.

day 14

Schweren Herzens entscheiden SY Nefeli und wir „to fall apart“. Unsere Yachten sind zu unterschiedlich, um die nächsten 2.000 sm Seite an Seite zu bestreiten. Wir können viel mehr vor dem Wind fahren, während sie am Wind deutlich besser sind. Zusammenbleiben heißt, auf die Vorzüge der eigenen Yacht zu verzichten und etliche Stunden zu verlieren. Bis in St. Lucia, Nefeli.

Wir setzen gleich den Parasailor und segeln erstmals eine ganze Nacht mit dem Parasailor durch. Ein großartiges Gefühl.

Und wieder zwei Goldmakrelen. Die zweite ist sogar gute 3,5 kg schwer.

day 15

„Motorvessel Harmonia Malta, this is Starship, can you read me?“

Mitten auf dem Atlantik taucht ein Frachter auf, 15 mal so groß wie wir. Und er steuert genau auf uns zu. Ich bitte ihn, auszuweichen, Platz ist ja genug, und so beginnt ein 15 Minuten langes nettes Gespräch mit dem jungen Inder, der am Steuer ist. Schließlich tauschen wir sogar email-Adressen aus und versprechen, Fotos zu senden. Der junge Inder kann sich gar nicht vorstellen, wie wir zu 6 in diesem kleinen Boot leben können.

day 16

Wir müssen schon wieder motoren. Traude hat Wache und weckt uns gegen 23 Uhr. Die Batterie lädt nicht. Dabei hatten wir erst vor 4 Tagen den Keilriemen enger gezogen. Wir fahren weiter unter Motor, allerdings mit immer geringeren Touren, denn für eine Zeit lädt die Lichtmaschine dann. Dann aber zeigt ein Alarm, dass die Starterbatterie bereits auf 80% gesunken ist. Sofort stellen wir den Motor ab. Dass die Servicebatterien nicht geladen werden, können wir mit Solarenergie ausgleichen. Aber die Starterbatterie können wir nicht alternativ laden.

Schon wieder ein Problem. Dietmar überprüft nochmals alle Kontakte vom Mastervolt. Er findet nichts, aber als wir den Motor einige Stunden später wieder starten, lädt die Lichtmaschine wieder. Könnten also doch die Kontakte gewesen sein.


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STARSHIP X-ing day 00 to day 09

day 00

Wir starten um 13 Uhr. Kurz darauf Regen und viel Wind. Es geht hurtig dahin. In der uns ja schon bekannten Acceleration-Zone weht der Wind mit 25 Knoten, dann kurze Windstille und schon geht es wieder los. Wir sind am späten Nachmittag auf der Höhe von Maspalomas. Ein kleines Bändsel reißt sich im Wind los. Ich gehe zum Vordeck, um es zu bergen. Auf dem Retourweg folgt mein Routineblick zum Baum. Mit Entsetzen entdecke ich, dass der Bolzen, der den Baum am Mast hält, ca. 2 cm herausschaut. Ein paar Zentimeter mehr und der Baum fällt samt Segel auf das Deck. Die kleine Schraube, die den Bolzen hält, ist herausgedreht, verbogen und hat sichtbare Spuren hinterlassen. Das Gewinde ist unbrauchbar zerstört.

„Einen Hammer, schnell! Die Gooseneck …“ schreie ich gegen den starken Wind. In Sekunden ist der Bolzen wieder im Schaft, wir drehen in den Wind und bergen das Großsegel so schnell wie nie zu vor. Sofort sichern wir den Baum mit Großfall und zweitem Spifall dagegen ab, dass er runter fällt, und setzen 4 Bullenstander, damit der Baum total stabilisiert ist. Dass der Bolzen nicht nun zur Gänze herausfällt, schrauben wir eine massive Schnelle rundherum.

Aus der Traum, über den Atlantik zu segeln. Beide – Dietmar und ich – fühlen uns hundsmiserabel. So muss sich ein Slalomläufer fühlen, der bei der Olympiade beim zweiten Tor einfädelt.

Umkehren nach Las Palmas wäre das Vernünftigste. Aber aus dem Bauch heraus entscheiden wir, dass wir es auch nur mit der Genua bis Mindelo – Kap Verden – schaffen, und dann den Baum dort reparieren lassen.

Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Wir sind fertig. Die Kinder und Traude sind fertig. Wir können nicht einmal etwas essen, so sehr belastet uns dieser Schaden.

Alle anderen Boote ziehen nur so an uns vorbei. Ohne Großsegel sind wir zwei bis drei Knoten langsamer. Auch das macht uns fertig.

Stündlich kontrollieren wir, ob der Bolzen noch da ist.

day 01

Die Nacht war hart: noch immer viel Wind, der Regen lässt nicht nach, wir sind waschelnass und müde. Wir haben fast nichts geschlafen und sind so müde, dass wir nicht einmal die Kraft haben, darüber nachzudenken, ob wir den Schaden selbst reparieren könnten. Die Kinder liegen im Salon, die Wellen sind zum Glück nicht so hoch. Keiner – nicht einmal Traude – hat Seekrankheit. Wenigstens etwas.

day 02

Endlich – wir haben uns ein wenig an den Rhythmus gewöhnt. Die Sonne scheint, wir setzen den Parasailor, und Lukas fängt zwei Goldmakrelen. Endich sieht die Welt besser aus. Und nach dem ersten richtigen Essen an Bord haben wir auch die Kraft, zu überlegen, wie wir mit dem Problem umgehen können. Eines ist klar: Ohne Großsegel wollen wir keinesfalls den Weg über den Atlantik antreten. Während Traude die Wache übernimmt, stehen Dietmar und ich mit der Lifeline eingepickt am Mast, halten uns mit beiden Händen fest und überlegen. Die Atlantikwelle schaukelt das Boot doch sehr.

Die fix-fertige Lösung haben wir nicht an Bord. Wir müssen improvisieren.

Der Bolzen verbindet Gooseneck und Gegenstück am Mast und ist über eine Schraube im Gegenstück gesichert. Da wir die Schraube aufgrund des beschädigten Gewindes nicht mehr setzen können, brauchen wir eine Lösung, die dem Gooseneck die Beweglichkeit sichert, aber den Bolzen nicht in einer der beiden Richtungen auswandern lässt. In der Werkzeugkiste finden wir zwei massive Winkel (2,5 cm * 2,5 cm) mit jeweils einem Loch an jedem Ende. Die beiden setzen wir wie betende Hände zusammen und biegen sie auf unseren Schraubstock, sodass sie plan auf dem Mast sitzen können. Die „betenden Hände“ schieben wir durch einen Ring (sieht aus wie ein starres Decksauge), der auf einer Metallplatte (ca. 4cm * 4 cm) aufgebracht ist, und sichern diese mit einer langen Schraube und vielen Muttern gegen Herausfallen. Die Metallplatte hatten wir vor Jahren für Florians Hochbett gekauft.

Mit dem Akkubohrer bohren wir – mitten im Atlantik – den Mast an und nieten die neue Konstruktion so unter den Bolzen, dass dieser nicht mehr herausfallen kann, aber auch das Gooseneck nicht an der Bewegung gehindert ist.

Beim Nieten glauben wir schon, dass wir es nicht schaffen, weil die erste Niete zu lang ist, im Mast stecken bleibt, und wir weder die Niete herausbekommen noch das Endstück aus unserer guten Nietenzange. Mit der Säge schneiden wir die Niete am Mast ab, mit Gewalt entfernen wir den Stift aus der Nietenzange. Noch ein Versuch. Wir haben auch andere Nieten, genau so groß, aber mit einem beweglichen Kopf. Ein Erbstück von Georg und der Sidonia.

Und damit schaffen wir es. Am frühen Nachmittag haben wir eine Konstruktion, mit der wir glauben, bis Mindelo segeln zu können. Dietmar sichert noch den Baum mit Dynema an den Mast – für alle Fälle.

Wir sind überglücklich.

Wir setzen sofort das Großsegel – im dritten Reff – und segeln los.

day 03

Halbstündlich kontrollieren wir unseren Bolzen. Alles passt. Aber dann – der Bolzen drückt stark nach unten gegen unser Konstruktion. Mit einer Schelle versuchen wir unsere Konstruktion noch zu verstärken. Wieder ein paar Meilen unter Segeln. Jetzt will der Bolzen nach oben hin auswandern.

Unser Mut sinkt wieder.

Wir bringen die nächste Schelle an, und zwar eine, die den Bolzen sowohl unten als auch oben etwa zur Hälfte abdeckt. Mehr geht nicht, denn sonst würde das Gooseneck daran reiben. Außerdem sprayen wir jede Menge Schmiermittel hinein – und das ist die Lösung schlechthin. Auf einmal rutscht das Gooseneck viel besser am Bolzen und der Bolzen hat keine Auswanderungstentenzen mehr.

day 04

Mittlerweile sind wir allein.
Alle Boote sind schon viele Meilen weiter. Wir stehen in der Flaute. Wenig bis kein Wind. Bei diesem Tempo brauchen wir noch zwei Monate, um irgendwo hin zu kommen.
Aber wir haben uns an das Leben auf See wieder gewöhnt. Geregeltes Leben.Und zum geregelten Leben gehört, dass wir jede Stunde – egal ob Tag oder Nacht – den Bolzen kontrollieren.

day 05

Noch immer Flaute. Über das AIS sehen wir in 6 Meilen Entfernung ein Boot, das wir aus dem Hafen kennen. S/Y Nefeli – ein Ehepaar aus Italien. Wir funken sie an, es entwickelt sich ein kurzes Gespräch, und wir beschließen, einige Meilen zusammen zu segeln. Und zwar immer auf der Suche nach Wind.

day 06 bis day 09

Ein Hoch nach dem anderen. Unser Weg nach Mindelo ist mühsam. Gemeinsam mit Nefeli segeln wir kreuz und quer – Seite an Seite – nie mehr als 3 Meilen entfernt. Jeden Tag funken wir mehrmals miteinander, besprechen die Gribfiles (Windvorhersagedaten) und die nächsten Windsuchstrategien.

Immer wieder finden wir gute, aber viel zu kurze Windfelder. Für uns aber ein super Test, um festzustellen, ob unser Baum hält. Ungerefft gegenan bis 20 kn WInd – der Bolzen sitzt. Raumer Wind – der Bolzen gibt dem Gooseneck ausreichend Platz zum Drehen.

Wir gewinnen immer mehr Vertrauen zu unserer Konstruktion.

Während wir ursprünglich noch dachten, in Mindelo aufgegen zu müssen, glauben wir nun, dass wir so auch über den Atlantik kommen – wenn es endlich Wind gibt.

Auf der anderen Seite sind wir aber auch schon recht erschöpft. Es gibt keine geregelten Wachen, weil wir in der Nacht zu oft reffen und ausreffen müssen. Oftmals regnet es, dass wir pitschnass an Deck frieren. 24 Stunden durchgehend Wache ist leider keine Seltenheit.

Das Großfall verhängt sich in der Saling. Um 6 Uhr früh bei WInd und Welle und in total Dunkelheit muss ich im Bootsmannstuhl zur oberen Saling – 17 m über dem Wasser. Das ist schon kein Spaß im Hafen, aber noch weniger am Atlantik.

Die Kinder und Traude sind tapfer. Die Kinder spielen sehr viel unter Deck, Traude hilft, wo sie kann. Bordschule – nein – bis dato undenkbar.Die wenigen Stunden untertags, die nur einer von uns beiden an Deck ist, braucht der jeweils andere um zu schlafen.

Aber wir schaffen das.

Nothing’s gonna stop us now.


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24.11: Get started for the ARC – and off we go!

Zu Beginn sind wir skeptisch, ob die Entscheidung, im Rahmen der ARC über den Atlantik zu segeln, die richtige Entscheidung ist, und würden sehr gerne mit unseren neu gewonnenen Freunden zu den Kap Verden und von dort weiter nach St. Lucia gesegelt.

Aber jetzt – zwei Wochen später – denken wir ganz anders darüber. Die vergangenen zwei Wochen zählen wohl zu den intensivsten und schönsten der bisherigen Reise.

10 Stunden pro Tag wird ausprobiert, repariert, optimiert.

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Wir tauschen uns mit vielen anderen Seglerinnen aus, besuchen Seminare,

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verbringen unzählige Stunden auf der Suche nach Ersatzteilen in diversen Nauticstores und lassen die Abende gelegentlich mit Sundownern, Stegpartys oder tollen Abendveranstaltungen ausklingen.

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Die Stimmung auf den Pontoons ist mitreißend großartig. Nicht nur wir verbessern noch so viel am Boot, sondern ringsherum wird gehämmert, gebohrt, geschnitten, geklebt, gekocht, verstaut.

Ständig kommt irgend ein Lieferservice an und bringt Segeln, Proviant oder Wasser. Aber nicht etwa 10 oder 15 l, sondern 100 l, 150 l oder 200 l Wasser werden je Boot angekarrt.

Dazwischen klopft der belgische Stegnachbar an, ob wir einen 4,5 mm Bohrer haben, zwei Boote weiter fragt ein holländischer Eigner den deutschen Vis-a-Vis Nachbarn, ob er noch eine bestimmte Schraube hat, und wir nähen die ausgerissene Flagge der Irländer wieder an.

Traude sitzt am Steg zwischen 3 großen Schüssel und reinigt und trocknet die Unmengen an Obst und Gemüse, die wir eingekauft haben. Aber nicht nur sie, sondern 10 andere Männer und Frauen auch, sodass die Gemüse und Obstlieferanten förmlich Slalom fahren am Pontoon.

Alle helfen zusammen. Man könnte fast meinen, dass halb Las Palmas auf dem Kopf steht, um uns zu unterstützen.

Denn wir haben in unserem Mikrokosmos nur ein Ziel: am 24.11 zu starten und über den Atlantik zu segeln.

Und jetzt ist es so weit.

Wir stehen vor dem ganz großen Abenteuer. In ein paar Stunden geht es los. 226 Yachten treten den Weg über den Atlantik an.

Wir sind aufgeregt. Aber auch dankbar und stolz, es so weit und bald noch weiter geschafft zu haben, und voller Vorfreude auf die kommenden Wochen.

Danke an euch alle, die ihr uns „virtuell“ begleitet. Danke für alle Emails und Kommentare.


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22.11: Get ready for the ARC – „Schullandwoche in der Bordschule“

Die letzte Woche vor der Atlantikquerung findet kein regulärer Unterricht statt. Nur Tagebuchschreiben steht auf der Aufgabenliste, denn diese Woche ist „Schulland“-Woche, organisiert durch den örtlichen Segelclub und das ARC-Team.

Wie es sich für eine Schullandwoche gehört, beginnt diese mit einem „Elternabend“ – alias Family-BBQ, damit sich alle SchülerInnen und Eltern kennen lernen können.

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An den folgenden Tagen (Mo-Fr 9:00-14:00) stehen die unterschiedlichsten Aktivitäten auf dem Programm.

Spiele am Strand

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  • Opti-Segeln
  • Museumsbesuche
  • Ausflug zu einer Farm
  • Sicherheitstraining

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Die „Unterrichtssprache“ ist Englisch und gelegentlich Spanisch. Die Kinder erzählen ganz stolz vom Dinghi-Segeln mit dem „Mainsheet“ (Großsegel), besuchen mit Begeisterung das örtliche Wissenschaftsmuseum und üben natürlich auch, wie man in eine Rettungsinsel einsteigt.


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21.11: Get ready for the ARC – „Forest-Project“

„Sailing allows us to travel long distances with relatively low carbon emissions, but the reality is that all yachts burn diesel for motive power and to generate electricity. Conscious of this impact, ARC organiser World Cruising Club has teamed up with local non-profit forestry organisations in Gran Canaria to develop and sponsor a carbon offset project, planting trees where they are most needed, to help offset the carbon emissions created during the ARC crossing.“

Traude und die Kids nehmen an diesem Projekt natürlich teil.

Uns gefällt der Umweltschutz-Gedanke und außerdem ist es eine schöne Erinnerung, dass auf Gran Canaria ein Baum wächst, den wir vor der Atlantikquerung gepflanzt haben.

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20.11: Get ready for the ARC – „ARC Vaders and ARC Walkers from STARSHIP“

Ein Highlight der Abendveranstaltungen der ARC ist die Costume Party.

Schon seit Wochen überlegen wir uns unser Kostüm für das Thema des Abends „Fantasy – be the figure you have always wanted to be“, finden dann den passenden Stoff in einem kleinen Geschäft in Tenerife und nähen und basteln viele Stunden daran.

Sogar Änderungen und Anpassungen in letzter Minute sind notwendig, damit wirklich alles super gut passt.

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Denn unsere Latte liegt hoch.

Die Stellamans – die Voreigner unserer Starship – haben bei der ARC 2009 den Preis für die „best dressed family“  gewonnen.

Es ist ein großartiger Abend – ausgelassen, unterhaltsam, sehr, sehr lustig.

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Viele Crews haben offensichtlich jede Menge Zeit und Geld in die Kostüme investiert. Im Sotovento Club wimmelt es nur so von Piraten, Schlümpfen, Meerjungfrauen, Merlins, Diven, Balletttänzerinnen, Soldaten, Römern in langen weißen Togen, Edelmännern (und Frauen), Burgfräuleins, Einsteins, Scheichs, Cowboys mit Pferden, Nonnen, Pater. An die 400 ARC-Teilnehmer. Weder die Kinder noch wir glauben , dass wir gegen die Vielzahl der fantastischen Kostüme eine Chance haben.

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Und dann gegen 22.00 verkündet Andrew die Sieger der ARC 2013.

„And the best dressed Crew: the Moonwalkers from STARSHIP“

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17.11: Get ready for the ARC – „We are from Austria!“

Die offizielle Eröffnung der ARC 2013 ist ein Spektakel.

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Zunächst die Parade aller teilnehmenden Nationen entlang des Marinageländes. HeckoGecko aus Deutschland, die Buben der Edelweiss (USA) und Millport II (Irland) und die Schweizer Familie von der Antares.

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Mit stolz geschwellter Brust tragen unsere Kinder abwechselnd die österreichische Flagge.

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Mit herzlichen und erfrischend kurzen Ansprachen wird die 28. ARC offiziell eröffnet. Alle Flaggen werden gemeinsam gehisst.

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Und schließlich sorgt das Pedro Texaco Dinghi Race  für Unterhaltung. Bei diesem Rennen geht es – wie die Bilder zeigen – weniger darum, zu gewinnen, als viel mehr darum, allen anderen den Weg zum Ziel zu vereiteln.

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15.11: Get ready for the ARC – Provisioning!

Was und – vor allem – wie viel man für die Querung des Atlantiks mitnehmen soll, ist ein Thema, das ganze Bücher füllen kann. Wir haben eine Liste an Speisen zusammen gestellt, die allen (oder fast allen :-)) in den vergangenen Wochen gut geschmeckt haben, eine Einkaufsliste erstellt und starten am Samstag zum ultimativen Großeinkauf für Haltbares (also weder Obst noch Gemüse, keine Milchprodukte, Wurst oder Fleisch). Es dauert knapp 90 Minuten, dann sind drei Einkaufswagerl bis zum Rand hin gefüllt.

Zwei Stunden später liefert der Supermarkt bis zur Bordkante.

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Und um 13:30 starten wir mit dem Verstauen der Vorräte. Eine endlos lange Prozedur, mit Putzen, Schlichten, Umfüllen, Verpacken, Beschriften und Eintragen auf Staulisten.

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Einen Mini-Supermarket könnten wir damit schon eröffnen:

  • 12 Pkg Vollkorn-Spaghetti
  • 6 Pkg Vollkorn-Penne
  • 2 Pgk Spiralen
  • 5 kg Mehl weiß
  • 5 Pkg Brotbackmischung
  • 5 kg Vollkornmehl
  • 2 Pkg Brösel
  • 3 kg Zucker
  • 11 kg Reis
  • 2 Pkg Gries
  • 9 ¼l Haltbarschlagobers
  • 1 Pkg Sojagranulat
  • 1 kg Linsen
  • 16 Tortillas
  • 2 Pkg Kokosflocken
  • 2 l Öl
  • 1 l Kürbiskernöl
  • 1 l Balsamico
  • 5 Flaschen Ketchup
  • 8 Pkg Tomaten passiert
  • 4 Pkg Tomatensugo
  • Mangosoße, Cocktailsoße, Senf, Pesto,
  • 2 Pkg Püree
  • 1 Glas Essiggurkerl
  • 1 Flasche Essig
  • 1 Pkg Pumpernickel
  • 3 Dosen Fruchtsalat
  • 5 Dosen Mais
  • 5 Dosen Kichererbsen
  • 2 Dosen Erbsen
  • 15 Dosen Thunfisch
  • 3 Dosen Sardinen in Tomatensoße
  • 1 Dose Thunfisch in Tomatensoße
  • 2 Dosen Calamare in Tomatens0ße
  • 5 Dosen Champignons
  • 2 Dosen Kokosmilch
  • 2 Dosen Oliven
  • 4 Gläser Apfelmus
  • 2 Dosen Champignoncremesuppe
  • 5 Dosen Pfirsichkompott
  • 2 Dosen Thunfischsalat
  • 2 Dosen Linsen
  • 7 Packungen Panecillos
  • 1 Pkg Zwieback
  • 7 Gläser Marmelade
  • 3 Gläser Nutella
  • 3 Pkg Haferflocken
  • 2 Pkg Löskaffee
  • 2 kg Kaffee
  • 1 Pkg Tee
  • 4 Pkg Müsli
  • 1 Pkg Cornflakes
  • 33 l Milch
  • 6 l Sojamilch
  • 2 Dosen Kakao
  • 6 Pkg Schokopops
  • 3 Pkg Schokoecken
  • 3 Pkg Reisflakes
  • 1 Pkg Cappucchino
  • 14 Pkg Kekse
  • 2 Pkg Salzgebäck
  • 8 Tafeln Schokolade
  • 3 Pkg Schokolademousse
  • außerdem: Milchpulver, Trockenhefe, Backpulver, Vanillezucker, Sauerbrotmischung, viele Gewürze, Salz, Senf, Sojasoße, Thunfischburger, eingelegte Paprika, Bulgur mit Gemüse, Schokolade und Vanillepuddingpulver, chinesische Fertignudeln, Tortellini, Kakaopulver, Kochschokolade, ein paar Überraschungen, mit denen die Kinder nicht rechnen 🙂 und jede Menge Wasser, Mineral, Cerveza sin Alcohol, Fruchtsaft und Cola.

Und das Beste ist: Trotz dieser Unmengen an Vorräten haben wir noch immer einigen Stauraum frei. Daher werden wir noch ein wenig aufstocken.


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13.11: Get ready for the ARC – Rigg-Check!

Natürlich nehmen wir auch die Möglichkeit wahr, nochmals das gesamte Rigg von einem Expertenteam prüfen zu lassen. Überraschenderweise hat „Jerry, the Rigger“ sogar schon am Montag zu Mittag Zeit. Die Überprüfung des Decks ist okay. Eine Schraube zur Befestigung der Genua muss noch besser angezogen werden.

Dann geht es zum Mast. Jerry lässt sich von seinem Kollegen in den Mast ziehen.

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Die äußeren Wanten sind in Ordnung. Aber bei den Inneren hakt es. Auf beiden Seite ist jeweils ein Strang der 19 Stränge lose. Das wollen wir nicht anstehen lassen. Die müssen wir tauschen lassen.

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Dann noch ein Blick zu unserem Sorgenkind, dem Großbaum. Seit der Nietenproblematik in A Coruna sind wir besonders hellhörig und verfolgen schon seit einiger Zeit ein ständiges Scharren. Und leider ist unsere Vermutung richtig. Der Baum sitzt mittlerweile zu tief. Entweder finden wir eine Beilagscheibe um den Lümmelbeschlag zu heben oder wir besorgen uns gleich einen passenden Ersatzteil.

 

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Wir entscheiden uns für die Ersatzteillösung, denn ein weiterer Blick zeigt, dass auch die Schraube samt Baum gearbeitet hat und um ca. 3mm nach achtern gerutscht ist.

Aber so einfach ist das nicht. Der ortsansässige Segelmacher kann den Ersatzteil von der französischen Firma Z-Diffusion wohl besorgen, aber das dauert bis Anfang Dezember, weil eine Lieferung vom europäischen Festland leider durch den Zoll muss. Und das kann – wie wir aus leidvoller Erfahrung wissen – Wochen dauern.

Wir finden ein Unternehmen in England, das den Ersatzteil vorrätig hat und diskutieren gerade, selbst mit einem Billigflieger für 120 Euro nach England zu fliegen, als Traude einwirft, dass sie gestern von der Crew der englischen BLUE DOLPHIN gehört hat, dass sie noch Freunde erwarten, die am Samstag nach Gran Canaria fliegen wollen. Wir sprechen kurz mit Carol und tatsächlich gibt sie uns die Adresse ihrer Freundin, an die wir nun den Ersatzteil senden lassen. Sollte sich alles bis kommenden Samstag ausgehen.

Danke, BLUE DOLPHIN, für eure Hilfsbereitschaft.