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2024 – „Nur mal die Batterien checken“

Juli 2024:

Jede Ausrede ist uns recht, um ein verlängertes Wochenende zum Boot zu fahren und die Wartezeit zum Sommertörn zu verkürzen.

Freitag um 16:00 Uhr kommen wir an, Leihauto holen, Minieinkauf. Um 18:00 Uhr sind wir am Boot, Wasser tanken, alle Abdeckungen wegräumen, unser Handgepäck ausräumen (nur Ersatzteile), und um 19:00 Uhr legen wir ab mit Ziel „Krios Bay“.

Die Batterien scheinen in Ordnung. Der Toploader läuft auf Volltouren. Alle Getränke sind herrlich kalt. Also war unsere Sorge unberechtigt. Es dürfte tatsächlich nur eine von vier Batterien den Geist aufgegeben haben; die drei anderen arbeiten gut. „Nur mal die Batterie checken“ war dann wohl tatsächlich nur ein Vorwand, um aufs Boot zu fahren.

Um 20:15 Uhr fällt der Anker. Nach einer rolligen Nacht verlegen wir uns Samstag in der Früh nach Spinalonga, 1 Stunde unter Motor – ein guter Deal. Die 20 – 33 Kn Wind lassen sich in dieser Lagune mit Schlammboden und ohne Wellengang besser aushalten als in der Krios Bay. Denn vor uns liegen drei Arbeitstage.

Wir montieren einen neuen Gasmelder und einen neuen Kohlenmonoxidmelder – alle 10 Jahre soll man diese Geräte tauschen. Hätten wir einen baugleichen Gasmelder genommen, wäre es ein leichtes Unterfangen. So müssen wir den Gasmelder zur Gänze neu verkabeln. Hinter dem Gasherd durch, unter der Bodenplatte beim Kühlschrank abzweigen zur Abwasch, vor dort in den Motorraum, dann entlang der Batterien zum Batteriehauptschalter. Alte Sushi-Stäbchen dienen als Führung für das Kabel, um unter den Bodenplatten vorwärts zu kommen. Die Kabellänge (besser Kabelkürze) verlangt genauestes Arbeiten, kein Millimeter Kabel darf verschenkt werden, der Weg muss optimiert werden.

Der zweite Badezimmerspiegel bekommt eine Spiegelsteinumrandung.

Ein Scharnier unter der Abwasch hat sich verselbständigt und wird wieder auf Spur gebracht. Zum Glück haben wir 10 Ersatzscharniere – nur, weil man die aber so selten braucht, im hintersten Winkel verstaut.

Eine größere Angelegenheit ist die elektrische Winch. Schon vor gut 5 Jahren hat der „Slow“-Modus aufgehört zu arbeiten. Nach einigen erfolglosen Versuchen mit Kontaktspray und Säubern von Kontakten hat unsere Fehlereingrenzung ergeben, dass es wohl an der „Controlbox“ liegen muss. Kaum haben wir den Ersatzteil an Bord, funktioniert der „Slow-Modus“ wieder (nicht immer, aber oft genug). Also wird die Controlbox verräumt und wartet auf ihren Einsatz.

Beim Mai-Törn fällt der „Fast-Modus“ aus. Aber dieses Mal klingt es anders, wenn wir die Taster betätigen. Das vertraute „Klicken“ fehlt. Wir tauschen die Taster, um auszuschließen, dass es am Taster liegt. Richtig, beide Taster funktionieren.

Wir prüfen überall, ob Strom anliegt. Nur bei der Controlbox für den „Fast-Modus“ zeigt der Multimeter „0“.

Gut, dann bauen wir die neue Controlbox ein. Leicht gesagt, schwer getan, denn wie üblich ist es ein mehrstündiges Überkopfhantieren auf dem kleinen Vorsprung in der Backboardkabine sitzend bei gefühlt 40 Grad.

Dazu kommt noch, dass wir beim Montieren erkennen, dass die alte Controlbox entgegen der Anleitung falsch (also kopfüber) verbaut war und wir neue Löcher bohren müssen, um die Box vertikal anzubringen. Warum sie falsch montiert war, erklärt sich beim Anschrauben der Leitungen. Vertikal montiert ist es deutlich komplizierter, die Leitungen so anzubringen, dass sie sich nicht berühren können.

Ganz zum Schluss tauschen wir noch die Taster zum Betätigen der Winch aus. Die Sonne setzt dem Gummi so stark zu, dass es sich nur noch um Monate gehandelt hätte, bis diese von selbst zerbröselt wären. Alte Taster abmontieren, Untergrund vom Silikon befreien, neu Silikonisieren, neue Taster anschrauben. Und zum Schutz vor der Sonne nähe ich eine Abdeckung aus grauem Sunbrella.

Wenn die Nähmaschine schon heraußen ist, dann wird die Halterung für die Badeleiter erneuert und die „Vorhänge“ für die Sprayhood werden ausgebessert.

Am Sonntag Abend bekommt der Kühlschrank noch eine neue Dichtung. Die alte hatte keine Elastizität mehr. Wir drehen auch den zweiten Kühlschrank auf und genießen den letzten Abend am Boot.

Wir schlafen die ersten Stunden der letzten Nacht im Cockpit. Nach dem starken Wind der letzten beiden Tage mit Böen bis 33 Kn tut es so gut, draußen liegen zu können. Erst kurz von 1 Uhr wollen wir uns in die Kabine legen. Noch schnell ein kaltes Mineral aus dem Kühlschrank – und schon stehe ich mit einem Fuß in einer Lache vor dem Kühlschrank. Das kann nur vom Kühlschrank kommen. Wir öffnen beide Kühlschränke. Beide tauen ab. Die Batterieanzeige ist bei 92% und 12,3 Volt. Also doch – die drei verbliebenen Batterien geben auch ihren Geist auf. Zu wenig Spannung führt dazu, dass die Kühlschränke keine Energie bekommen, um zu arbeiten. Und damit sinkt die Batterieanzeige auch nicht.

Wie gut, dass wir hier sind. Also doch keine Ausrede. „Nur mal die Batterien checken“ war schon okay.

Am nächsten Morgen zurück in Agios Nikolaos organisieren wir neue Batterien, die im August geliefert werden – aber das ist eine andere Geschichte.


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2024 – Mai-Törn is „My turn“

Tag 01: Agios Nikolaos

Tag 02: Agios Nikolaos

Tag 03: Krios Bay (Kreta)

Tag 04: Krios Bay (Kreta) => Namenlose Bucht vor der Insel Armathia bei Kasos

Tag 05: Namenlose Bucht vor der Insel Armathia bei Kasos => Eristos Bay (Tilos)

Tag 06: Eristos Bay (Tilos) => Namenlose Bucht vor der Insel Gyali bei Kos

Tag 07: Namenlose Bucht vor der Insel Gyali bei Kos => Kefalos Golf (Kos)

Tag 08: Kefalos Golf (Kos)

Tag 09: Kefalos Golf (Kos) => Analipsi (Astypalaia) – Ort: Maltezana

Tag 10: Analipsi (Astypalaia) – Ort: Maltezana

Tag 11 Analipsi (Astypalaia) – Ort: Maltezana => Ios

Tag 12 Ios => Anaphi

Tag 13 Anaphi => Siteia (Kreta)

Tag 14 Siteia

Tag 15 Siteia => Krios Bay (zu rollig) => Spinalonga

Tag 16 Spinalonga

Tag 17 Spinalonga => Agios Nikolaos

Tag 18 Agios Nikolaos

Fazit nach 18 Tagen Segeln im Mai: Mai-Törn is „My turn“.


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2024 – Nachtrag Tag 11: wie die Irrfahrten des Odysseus

Der Sonntag beschert uns Aprilwetter im Mai. Nieselregen und Sonnenschein, Windböen und Windstille wechseln sich regelmäßig ab, und es ist einfach kalt. Wir bleiben vor Anker in Astypalaia. Nicht nur des Wetters wegen, auch der gestrige Tavernenbesuch hängt uns noch nach. Wie zwei Verhungernde sind wir über die drei großen Teller griechischer Köstlichkeiten hergefallen, die uns die nette Wirtin gebracht. Alles, sogar das gesamte Brot haben wir verputzt. Nach Tagen der „eiserenen Reserve“ waren wir auf die Völlerei nicht vorbereitet.

Dafür starten wir am Montag ausgeruht und zeitig, kurz nach 5:00 Uhr in der Früh.

Unser Ziel: die Insel Amorgos, nördwestlich von Astyplaia. Wir müssen hoch am Wind fahren, um die Insel zu erreichen. Gleich nach dem Kap luven wir an und schaffen gute Höhe. 12-14 Knoten Wind, vorhersagegemäß nimmt der Wind etwas ab und legt dann wieder zu.

Es trennen uns gerade einmal 6 Seemeilen bis zur Spitze von Amorgos, da müssen wir uns eingestehen, dass wir bei diesen Bedingungen die Insel nicht erreichen werden. Mittlerweile haben wir 20-22 Kn gegenan, segeln im dritten Reff und der Wind (möglichweise durch die Insel beeinflusst) kommt viel westlicher. Auch wenn durch die vorgelagerte Insel die Wellenhöhe abnimmt, die Insel selbst bietet wieder jede Menge Fallböen und somit mehr als 20-22 kn gegenan.

Wohin also? Irgendwie irren wir zwischen den Inseln umher.

Zurück ist eine Option, aber besser ist die nächste erreichbare Insel: Ios – 20 Seemeilen entfernt, 28 Seemeilen bis zu Südspitze, die für die heutige windstarke Nacht eine akzeptable Ankerbucht bietet. Genaugenommen, die einzige Ankerbucht. Ich schätze 5 Stunden bis zur Ankunft, aber revidiere meine Schätzung bald. Wir erreichen durchgehend 6,5 kn SOG, oft auch 7,0.

Wir umrunden das Kap, vor uns liegt eine der schönsten Sandbuchten der griechischen Inseln. 6 Jachten ankern bereits, wir legen uns mitten ins Ankerfeld mit 50 m Kette auf 7 m Tiefe. Viel Platz um uns herum.

Der einzige Nachteil dieser wunderschönen Bucht ist, dass sie besonders anfällig auf Fallböen ist. Unseren Plan, zum Abendessen in die örtliche Taverne zu fahren, geben wir bald auf. Das große und schwere Dinghi mit dem Spinnakerfall von Vordeck ins Wasser zu hieven, ist schon bei wenig Wind herausfordernd. Beim Abendessen im Salon steigt der Wind auf 28 Knoten. Zu Sicherheit (eigentlich zur Schonung der Ankerwinsch) führen wir einen Metallstift durch die Ankerkette und das Ankergeschirr, für den Fall, dass die Ankerkralle reißt.

Wir sind vom Segeltag super müde, wollen aber weiterhin die Entwicklung des Windes und die Stabilität der Ankerkralle beobachten. Wir nicken immer wieder im Salon ein. Um 23 Uhr sind die Böen bereits bei 36 Knoten angelangt. Mit jeder Böenwalze fliegt ein Düsenjet im Landeanflug über uns – das Geräusch ist fürchterlich laut. Die Ankerkralle hält, die Böen nehmen noch mehr zu. Wir kontrollieren nochmals um 0:45 und um 2 Uhr. Dann siegt die Müdigkeit. Und um ehrlich zu sein, schlafen wir die restliche Nacht total tief und wachen sehr erholt auf.


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2024 – Trainingslager

Weil wir schon am Mittwoch von Anaphi nach Siteia segeln, bleiben uns – auch wegen des nunmehr eingetretenen Windmangels – einige segelreduzierte Tage auf Kreta. Wir ankern in einer kleinen Bucht in der Lagune Spinalonga.

Schlecht? Nein!

Endlich haben wir Zeit für ein Trainingslager. Wir holen das knallorange Sturmsegel und das etwas größere Kuttersegel aus der Backbordkabine und schlagen diese erstmals nach mehr als 10 Jahren an. Dazu müssen wir das Babystag wieder in Verwendung bringen.

Und wie gut es ist, dass wir uns damit beschäftigen, zeigen die gesammelten Erkenntnisse:

  • Wir brauchen einen zusätzlichen Schäkel für beide Segel, damit sie nicht auf das Stag zuviel Druck ausüben.
  • Um die schon vorhandenen Parasailor Schoten zu verwenden, brauchen wir Dynemaschlingen am Schothorn beider Segel.
  • Wir müssen uns die Schotenführung – getrennt für beide Segeln – überlegen. Weil die beiden Segel deutlich kleiner sind, können wir den Traveller für die Genuaschoten nur einsetzen, wenn wir zusätzliche Umlenkrollen von Wichard verwenden.
  • Wir bringen auch gleich eine Leine an der Sicherung des Babystags bei den Wanten an, sonst würde diese ständig schlagen.
  • Wir überlegen uns die Schritte zum Anschlagen beider Segel und zum gleichzeitigen „Stilllegen der Genuaschoten“.

Ich hoffe, dass wir das Sturmsegel nie und das Kuttersegel nur aus Ehrgeiz einsetzen müssen, bin aber nach dem Trainingslager guter Dinge, dass ich im Ernstfall mit Schwimmweste und Lifebelt in der Sorgleine die notwendigen Schritte auch bei schweren Bedingungen und dem wenigen Platz auf dem Vordeck erledigen werde können.


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2024 – „Du, das ist eigenartig….“

Wenn es schon so beginnt, dann sind wir zumeist einem noch nicht identifizierten Problem auf der Spur.

Die ersten beiden Male „eigenartig“ fallen in Astypalaia. In der Früh sind die TK-Fächer beider Kühlschränke leicht abgetaut und die Batterieanzeige der Servicebatterie zeigt 90%. Das ist eigenartig und deutet eigentlich darauf hin, dass die Batterien in der Nacht zu wenig Leistung abgeben (können). Denn normalerweise – vor Anker – landen wir bei 85% oder 86%. und die TK-Fächer sind eisigst. Aber untertags arbeiten die Kühlschränke ausgezeichnet, und so notieren wir diese Auffälligkeit gedanklich, unternehmen aber nichts.

Vor Anker in Spinalonga fällt mir auf, dass es im Bereich des Niedergangs irgendwie faulig stinkt. Wie ein Trüffelschwein versuche ich, auf den Bodenbrettern liegend zu orten, woher der Geruch kommt. Eindeutig aus den Ritzen der Bodenplatten nahe den Batterien. Recht zeitgleich schlägt der Gasmelder zweimal kurz an.

Jetzt sind wir alarmiert. Und zur Bestätigung, dass etwas nicht stimmt, zeigt die Batterieanzeige an, dass die Batterien 14,4 V aufweisen. Viel zu viel für unsere Batterien. Wir unterbrechen die Ladung durch die Solarpanele.

Alle Symptome deuten auf ein Batterieproblem hin.

Wir öffnen die Bodenplatten. Die Anzeige von drei Batterien ist grün. Die vierte lässt sich farblich nicht einordnen, aber die Wärme der Batterie sagt alles. Wir haben ein Batterieproblem. Möglicherweise ist diese eine Batterie kaputt. Wir nehmen diese Batterie aus der Serienschaltung, prüfen sie und stellen fest: 11 V. Ja. Die ist hinüber. Die drei anderen arbeiten ohne Probleme weiter. Jetzt haben wir „nur“ 435 ApH zur Verfügung, was für unsere Zwecke ausreichend ist. Die Batterieanzeige am nächsten Tag in der Früh zeigt 85% und 12,3 V, also wieder Normalbereich.

Aber wieso konnte das passieren, dass eine Batterie eingeht? Und müssen wir nun die Sorge haben, dass die drei anderen in Kürze ihren Geist aufgeben.

Aktuell ist unsere Theorie, dass ein Zusammenhang mit unserem Starterbatterieproblem beim Crossing von MdR nach Pylos zusammenhängt. Letztes Jahr ist uns kurz vor der Einfahrt in den Naturhafen von Pylos die Starterbatterie ausgefallen, und zum Starten des Motors haben wir diese eine Servicebatterie abgehängt und verwendet. Wir hatten damals keine Starterkabel, was die Last des Startens auf alle 4 Batterien umgelegt hätte, sondern eben nur diese eine verwendet. Vielleicht war das das Problem.


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2024 – Heute oder morgen?

Sollen wir heute, Samstag, den Schlag nach Astypalaia wagen, oder morgen?

Die Wettervorhersage ist für beide Tage recht ähnlich. Wind aus NNW mit 15 kn und Böen bis 22 kn, der im Laufe des Tages westlicher (und damit für uns ungünstiger) wird.

Wir entscheiden uns für „heute“, weil der Wind am Samstag etwas nördlicher beginnt und weil „was weiß man schon, wie es morgen wirklich ist“.

Die ersten 3 Seemeilen an der Küste von Kos sind geprägt von starken Fallböen, aber achterlichem Wind. Wir testen das neu konfigurierte dritte Reff. Passt.

Nach dem Kap luven wir an. Tatsächlich, der Wind kommt nördlich, damit können wir Höhe schaffen. Wir reffen aus, zweites Reff. Der Wind pendelt sich auf 17 Kn ein, manche Böen gehen bis 22 kn. Mit dem hohen Kurs zwischen 35 und 40 Grad ergibt das regelmäßig 20 kn scheinbaren Wind. Das zweite Reff ist ideal. Einzig die hohe Welle bremst immer wieder.

Prognosegemäß dreht der Mitte und wird westlicher. Wie gut, dass wir im ersten Drittel der Passage an Höhe gewinnen konnten, mit dem neuen Kurs steuern wir nun direkt die Insel an. Auf halber Strecke lässt der Wind nach, wir reffen aus, um keine 30 Minuten später schon wieder einzureffen.

Es ist ein traumhaft schöner Tag, sonnig, keine einzige Wolke, aber kalt. Wir haben Fleecejacken, Segeljacken, Haube und Handschuhe an.

Wenige Seemeilen vor Astypalaia, bereits in der Abdeckung der Insel, sinkt die Wellenhöhe und die Fallböendynamik setzt ein. Wir wollen ziemlich genau in die Mitte der schmetterlingsförmigen Insel. Genua weg, drittes Reff und Motor an, um die letzten 4 Seemeilen zu nehmen. Motor an, weil wir durch eine enge Passage müssen und uns nicht alleine auf das Großsegel verlassen können.

Der Anker fällt um 14.20 Uhr in der Bucht von Maltezana auf 7 m Sand. 40 m Kette versprechen eine ruhige Nacht, auch wenn Fallböen weiterhin über uns drüber ziehen.

6:12 Stunden, 32,07 Seemeilen, Durchschnittsgeschwindigkeit 5,17 kn, Höchstgeschwindigkeit 8,3 kn.

Und endlich gönnen wir uns einen Abend in einer griechischen Taverne.


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2024 – „KOS“-erniert

KOS-erniert ist die maritime Ableitung von kaserniert und bedeutet, dass wir vor der Insel Kos liegend einsatzbereit das Boot nicht verlassen (können) und die Ankerbucht auch nicht. Wind mit 25 kn zieht über uns. Das Meer ist voller Schaumkronen.

Auch gut. Es gibt immer viel zu tun an Board.

Das dritte Reff, das hier in Griechenland oft zum Einsatz kommt, läuft nicht gut genug, und das Großsegel im dritten Reff steht nicht gut. Wir bringen antal loops an beiden Reffleinen an und ändern den Zug am Achterlik/Unterlik.

Die backbordseitige Umlenkrolle des Genuatravellers ist ausgerissen. Wir behelfen uns mit einer sehr guten Ersatzlösung.

Die Holzleiste am Niedergang wird geschliffen und zwei Mal neu lackiert.

Weil so viel Wind beim Einholen der Genua war, ist die Reffleine am Anschlag. Auch das beheben wir, indem wir einfach die Genuschoten ausfädeln und 5 Mal um die Genua wickeln. Minimalinvasive Lösung.

Wir haben zwar noch ein paar frische Vorräte, aber wir nutzen die Gelegenheit, den eisernen Vorrat aufzubrauchen. Weil wir allen Proviant beschriften und seit 2018 mit einer Jahreszahl versehen, wissen wir, welchen „Jahrgang“ wir verkochen. Reis (2021 aus Sizilien) mit Gemüse-Sugo (2019 aus Sardinien), Gemischte Früchte (2018 aus Barcelona) und dann wären da noch 4 Dosen geschälte Tomaten und Tomatensauce (2014 aus Martinique). Die vergangenen 10 Jahre unter den Bodenplatten sind den Dosen anzumerken.


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2024 – Umkehrschwung

Wir legen zeitig ab, der Ankerplatz war schrecklich rollig. Beide sind wir müde. Nach und nach reffen wir aus, hohe Wellen, wenig Wind und der kommt genau aus der Richtung, in die wir wollen. Unser Ziel ist Astipalea – 35 Seemeilen entfernt. Für die ersten 5 Seemeilen brauchen wir mehr als 2 Stunden. Dann setzt Wind ein. 15 Knoten, 20 Knoten. Wir reffen ins zweite Reff und ziehen die Segeljacken an. Automatikweste drüber,, Haube auf, Handschuhe an.

25 Knoten wahrer Wind. Noch ein Reff. Wir müssen ja gegenan. Spaß ist das keiner mehr – schon gar nicht, wenn das noch mindesten 10 Stunden so geht und wir im Dunkeln ankommen.

Was nun?

Umkehren. Unsere einzige Option.

Die nächste Insel mit einem guten Ankerplatz ist Kos. 8 Seemeilen entfernt auf der „windabgewandten Seite“. Einziger Haken: Kos ist eine Insel mit Fallböen. Der ohnehin schon starke Wind wird noch ein wenig verstärkt. Und das merken wir sobald, wir die „Leeseite“ der Insel erreichen. Die Bezeichnung „Leeseite“ ist technisch richtig, gefühlt ist es wie „Doppel-Luv“. Die Wellen sind weg, der Wind noch stärker. Nach und nach müssen wir auch die Genua wegreffen, bis nur noch 2 m2 über bleiben. Das Reffen der Genua ist immer ein „Gemurkse und Gefurze“ (wie Vizekanzler Kogler wohl sagen würde). Die gefierten Schoten schlagen lautstark. verheddern sich. Mit der linken Hand versuche ich die Genuareffleine über die Winsch einzuholen, mit der rechten Hand halte ich die backbordseitige Genuaschot, damit sie nicht wie verrückt aufs Segel schlägt.

Trotz der geringen Wellenhöhe werde ich dreimal mit Salzwasser geduscht. Dietmar noch öfter. Mehrmals kann ich mich noch rechtzeitig hinter der Sprayhood verstecken, die volle Salzwasserwucht trifft dann nur den Steuermann.

Die letzte Seemeile fahren wir unter Motor. Direkt auf die lange Sandbucht hin, in die Böenwalzen hinein. Der Anker fällt auf 5m. 40 m Kette halten uns. 5 andere Yachten finden auch Zuflucht hier.

35.2 Knoten wahrer Wind und 39 Knoten scheinbarer Wind sind unsere Tageshöchstwerte. Und Grund genug für den Umkehrschwung.


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2024 – Windlotterie und Segelfreuden

Die ersten 4 Segeltage verlaufen unvorhergesehen (,) großartig.

Wir verbringen die erste Nacht in unserer Lieblingsbucht unweit von Agios Nikolaos. Unser Plan ist es, in den Norden zu segeln.

Am zweiten Tag starten wir schon um 6 Uhr in der Früh. Wir sind vorbereitet. Was fehlt, ist der angesagte Wind. Planänderung: Dann halt nicht Norden, sondern Osten. 13 Stunden später fällt der Anker vor einer kleinen Insel westlich von Kasos namens Armathia (in der Marmara Beach).

Dienstag gehen wir es ruhiger an. Wir legen gegen 8 Uhr ab, unser Ziel soll der Osten von Chalki sein. Aber wieder einmal entspricht der vorhergesagte Wind nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, wir disponieren um und segeln zur Insel Tylos. Wir wollen uns, weil es ohnehin schon spät ist und der Wind zugenommen hat, in die östlichste Bucht legen, aber kurz davor, entscheiden wir uns um. Angesichts der aktuellen Windstärke und der Enge der Bucht, wollen wir doch eine nördlichere und viel größere Bucht ansteuern. Das heißt, anluven um gut 20 Grad. Wir sind hart am Wind, zweites Reff im Großsegel, volle Genua, 22 Knoten scheinbarer Wind, keine Böen. Die Starship schießt dahin. Es ist eine reine Freude, zu sehen und spüren, wie gut das Boot im Wasser liegt. Eine Stunde später (nach über 11 Stunden unter Segel) haben wir die Bucht erreicht. Geschützt durch vorgelagerte Klippen und hohe Berge ist das Wasser ganz ruhig, es weht ein kleines Lüfterl, wir liegen seelenruhig vor Anker.

Mittwoch sagt der Windbericht „minimaler Wind aus Südwesten“ und abends etwas mehr. Wir setzen das Großsegeln zur Stabilisierung im zweiten Reff und motoren. Ich bin nur 5 Minuten unter Deck. In dieser Zeit setzt überraschend Wind ein, wenige Minuten später weht es mit bis zu 20 Knoten aus Nordost. Aus Nordost? Aber egal, es segelt sich herrlich. So schlagartig wie der Wind gekommen ist, so schlagartig ist er auch wieder weg. Wir sind auch fast schon am Ziel, eine kleine Insel vor Kos.

Morgen soll der Wind aus Nordwesten kommen. Mal sehen :-).


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2024 – Ein Nachtrag zu „Stressfrei segeln“

Was ist das Gegenteil von „Stressfrei segeln“? 10 Tage in der Marina reparieren. Ich weiß, wovon ich spreche.

Letzten Oktober gönnen wir uns 10 Tage Segelurlaub. Das Boot ist ja fix und fertig segelbereit. Wir müssen nur den Inlet Strainer der Wasserpumpe austauschen (feuchte Albträume). 11 Euro Ersatzteil mit großer Wirkung (das Geräusch der reparierten Pumpe ist hervorragend), das Boot außen putzen, Proviant einkaufen, Wasser tanken und Diesel in Kanistern von der Tankstelle holen. Wir gehen noch entspannt am Samstag Abend essen und wollen Sonntag früh starten.

Ein nerviges Tropfgeräusch lässt mich einfach nicht einschlafen. Im Nachthemd und mit der Taschenlampe ausgestattet mache ich mich auf die Suche. Das Tropfgeräusch kommt aus dem Motorraum. Ich traue meinen Augen nicht. Das Ausweichgefäß für den Coolant, das zu Mittag noch halbvoll mit grüner Kühlflüssigkeit war, ist voll mit Wasser und von dort tropft es. Ich koste: Süßwasser.

Sonntag – keine Abreise. Wir rätseln, was passiert sein kann, fragen Stegnachbarn und die Schwarmintelligenz (ein Seglerforum), ob unser Verdacht richtig sein kann: Der Coolant im geschlossenen Kühlkreislauf des Dieselmotors wird in zwei dicken Schläuchen zum Boiler und vom Boiler zurück zum Motor geführt – zur Kühlung und damit wir auch unterwegs warmes Wasser haben. Vermutlich sind diese Kupferschläuche im Inneren des Boilers gebrochen und das Boilerwasser ist durch den Druck der frischen Wasserpumpe in den Kühlkreislauf des Motors gelangt.

Was nun?

Variante 1: Kühlkreislauf kurz schließen, Boiler überbrücken, Süßwasserkreislauf kurz schließen (auch hier den Bolier überbrücken), Coolant kaufen und neu eingießen und ohne Warmwasser SEGELN

Variante 2: Reparieren.

Wir entscheiden uns fürs Reparieren, den Variante 1 wäre ja nur eine kurzes Lösung.

Natürlich gibt es keinen QUICK Boiler in Kreta lagernd. Aber in Athen und der wird am Mittwoch geliefert. Baugleich – denken wir. Ist er aber nicht. Die Anschlüsse haben sich in den vergangenen 15 Jahren geändert.

Um den alten Boiler auszubauen, müssen wir den Sitzteil der Salonbank abbauen. Das war 15 Jahre lang nicht erforderlich. Die 20 Schrauben lassen sich zum Teil nicht mehr herausschrauben. Wir müssen bohren. Das Gewinde ist kaputt. Wir suchen in mehreren Handwerkerläden in Agios Nikolaus nach Ersatzschrauben (finden aber keine). Und natürlich: der Boiler ist dort eingebaut, wo er im Regelfall nicht stört, wo man aber auch nicht gut hinkann. Ich liege flach ausgestreckt auf der restlich Sitzbank und schraube mit der rechten Hand, während ich mich mit der linken Hand abstütze. Ich bin voller blauer Flecken an beiden Armen.

Im Seglerforum rät man uns, zusätzlich eine Vorrichtung zu schaffen, damit wir die beiden Kreisläufe (Motorkühlung und Boiler) trennen können.

Der englisch sprachige Mitarbeiter im örtlichen Installateurladen kennt uns nach dem zweiten Besuch schon. Wir kaufen jede Menge Dichtband, Schellen, 2er und 3er, Schläuche.

Stunden um Stunden (zwei Tage lang) versuchen wir die Konstruktion dicht zu bekommen, bauen den Boiler ein, pumpen Wasser, und hoffen, dass es nirgendwo tropft. 2 Versuche gehen schief. Und jeder Versuch ist begleitet von 40 l Wasser in der Bilge, das wir schöpfen müssen, weil wir jedes Mal den Boiler füllen und dann wieder leeren müssen. Jeden Abend müssen wir aber die Werkstatt wieder in den Salon umbauen, um wenigsten am Abend „Urlaubsfeeling“ zu haben. Alles Werkzeug wegräumen, die Sitzbank wieder zurückbauen, putzen um den Arbeitsdreck wegzubekommen. Wir sind schon ein wenig verzweifelt.

Beim dritten Versuch am Freitag klappt es. Allerdings haben wir auf alle Zusatzfeatures verzichtet, nur den Boiler angeschlossen, Wasser nachgefüllt und ganz am Schluss sogar den Coolant getauscht (natürlich haben wir davon die Rest vom alten ordentlich entfernt).

Mit dem großartigen Gefühl, den Boiler erfolgreich getauscht zu machen, können wir gestärkt gleich dazu übergehen, das Boot winterfest zu machen (Segel abnehmen, ….), denn damit war der Urlaub vorüber.