sy starship

nothing's gonna stop us now

02.08: Gewitter auf See

Hinterlasse einen Kommentar

Wir starten wieder zeitig, nachdem wir unseren Proviant etwas aufgestockt haben.

Wir wollen endlich den letzten Schlag nach Falmouth schaffen. Über Funk hören wir regelmäßig den Wetterbericht. 3-4 Bft sind angesagt, gelegentlich 5 Bft, moderater Seegang. Gute Sicht. Zur Sicherheit holen wir uns auch noch über das Sattelitentelefon aktuelle Gribfiles. 15 Kn – mehr nicht. Also – alles bestens.

Mit 8 Kn fliegen wir dahin. Die Wellenhöhe steigt zwar wieder einmal, aber das sind wir ja schon gewöhnt.

Wir sind noch 25 Seemeilen von Falmouth entfernt. Bis Mitternacht sollte das zu schaffen ein.

Aber vor uns zieht eine riesige dunkelgraue Gewitterfront auf. Wir reffen auf das zweite Reff, ziehen das Schwerwettergewand an und schon geht es los. Zuerst nur ein paar Tropfen, dann stärkster Niederschlag. Binnen kurzer Zeit hält auch das Schwerwettergewand den Wassermengen nicht mehr stand. Die Kinder und Traude sind unter der Sprayhood recht geschützt, aber Dietmar und ich waschelnass. Neben uns – also wirklich in unmittelbarer Nähe – gehen die Blitze runter und das Donnergrollen ist nicht einmal einen Augenblick davon entfernt. Es ist fürchterlich unheimlich. Außerdem vertörnen sich die Genuaschoten beim Versuch, noch weiter zu reffen, und angeleint und auf dem Beiboot auf dem Bug liegend muss ich im starken Regen die unzähligen Knoten wieder entwirren. Das einzig Gute ist, dass in der Mitte des Gewitters wenigstens der Wind ein wenig nachlässt.

Wir können nicht mehr Höhe laufen, sondern fieren die Großschot und laufen ab. Bald ist klar, dass wir unter diesen Bedingungen so viel an Höhe verlieren, dass wir es keinesfalls mehr nach Falmouth schaffen werden. Ganz im Gegenteil, wir suchen vielmehr nach einem geeigneten Hafen an der Küste (die etwa 8 sm entfernt ist). Den Hafen in Fowey erreichen wir nur per Telefon, aber „kein Platz“. Außerdem reißt kurz danach die Verbindung wieder ab.

Eine Stunde später ist der Spuk fürs Erste vorbei. Wir sind durch und durch nass, aber immerhin scheint schon wieder die Sonne und bietet uns zur Entschädigung einen wunderbaren Regenbogen.

P1140470

Aber, was jetzt? Wo finden wir einen passenden Hafen?

Ein kleiner Fischerhafen ist etwa 6 Seemeilen entfernt. X-Mal klettere ich im nassen Schwerwettergewand in den Salon. Unter mir bilden sich richtige Pfützen. Unser „Bloc Marine“ ist schon ganz durchweicht. Über Funk versuchen wir, den Habour Master von Mevagissey zu erreichen. Ohne Erfolg. Trotzdem, wir müssen dort hin, es gibt keinen anderen Hafen weit und breit.

Wir sind gerade noch 1 Sm entfernt, da meldet sich „Mevagissey.“ Alle Moorings sind belegt. Ich hake nochmals nach, dass wir unbedingt einen Platz brauchen und so erlaubt man uns, am Viktoriapier längsseits anzulegen. Nur dort ist es auch für unser Boot tief genug.

Wir passieren die Hafeneinfahrt, erspähen den Habour Master, der extra für uns an den Pier gekommen ist und die Leinen fängt, die wir zwei Meter hoch werfen müssen, weil wir ca. 3 m unterhalb der Piermauer liegen. Das haben wir auch noch nie erlebt. Keine Flooting-Pontoons, sondern eine meterhohe Piermauer, die wir nur über eine rostige Leiter erreichen können. Zur Begrüßung gibt es noch einmal einen neuerlichen Gewitterschub. Im starken Regen setzen noch die restlichen Fender von der Steuerbordseite an die Backbordseite, damit unserer Boot keinen Schaden nimmt.

Aber wir sind so erleichtert, dass wir gegen 21 Uhr sicher im Hafen liegen, schälen uns alle aus den durchnässten Klamotten und sinken müde in die Salonpölster.

Aber auch schade, dass wir es nicht bis Falmouth geschafft haben. Wir hätten gerne noch unsere Kölner Freunde getroffen, bevor sie die Biskaya Überquerung starten. Jetzt legen sie morgen früh ab und wir verpassen ihren Start um wenige Stunden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s