sy starship

nothing's gonna stop us now


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06.11: „Polizeikontrolle, bitte rechts ransegeln“

Fast pünktlich – um 13:03 – legen wir von der Marina del Sur ab. Der Abschied von Hans, Katrin, Fien und Seppe fällt uns schwer.

Kurz nach der Hafenausfahrt geht es los. Natürlich nicht 13 kn so wie in der Wettervorhersage, sondern 13 Kn + 10 Kn Accelerationzuschlag + 3 Kn Böenzuschlag und alles gegenan. Genua und Großsegel im dritten Reff. Dass man damit kaum Höhe laufen kann, ist klar.

Die geplante Route über den Norden von Gran Canaria ist unmöglich. Was bleibt, ist die längere Südroute.

Weil die Wellen gar so unangenehm sind und uns alle wie üblich mit Salzwasser duschen, müssen wir auch noch auf den Autopiloten verzichten und selbst steuern.

Traude geht es ganz besonders schlecht. Florian hängt auch etwas schief, nur Katharina und Lukas sind motiviert genug, die Schleppangel rauszuhängen. Und kaum eine halbe Stunde später hören wir erstmals das langersehnte Ratschen. „Ein Fisch!!!!“ Unser erster Fisch. Mit vereinten Kräften holen wir das Prachtexemplar mit 40 cm Länge und 1 kg Gewicht an Bord.

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Nochmals, es dämmert schon, kommt die Angel ins Wasser, und abermals macht es nach kurzer Zeit „RATSCH“. Wieder einer. Dieses Mal ein kleiner silberner, der sich leicht ins Boot holen lässt. Lukas ist überglücklich.

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Die Nacht bricht ein, Wind und Welle bleiben. Dietmar und ich sind längst in der Schwerwetterbekleidung samt Stiefeln, Haube und Kopflampe. Die regelmäßigen Salzwasserduschen und der starke Wind lassen einen die Kälte der Nacht ganz schön spüren. Unter Deck hingegen ist es kuschelig warm. Lukas kann unter Deck schlafen, Traude und Florian bleiben im Cockpit. Katharina erbricht zum ersten Mal. Aber nicht wegen der Wellen, sondern wegen der Mischung aus Speck, 2 Äpfeln und hinterher einem Vanillejoghurt mit Schokolade. Gut – diese Mischung würde wohl keinem auf See bekommen – ja nicht einmal an Land.

Dann um 22:00 Uhr ist der Wind weg. Wir sind an der Westküste von Gran Canaria angelangt. Windstille, keine Welle. Wir reffen aus in der Hoffnung, ohne Motor weiter zu kommen. Aber nein, unter Motor legen wir die nächsten drei Stunden zurück. Dietmar kann eine halbe Stunde tunken, ich sogar eineinhalb.

Dann gegen 01:00 früh – wir haben gerade die Bettenburg Maspalomas hinter uns gelassen – nähert sich uns ein Schnellboot mit Suchscheinwerfer. Zunächst glauben wir, dass es sich um einen Fischer handelt, aber als dann unser Boot mehrmals mit dem starken Suchscheinwerfer abgeleuchtet wird, stellen wir unsere Annahme sehr in Frage. Das Polizeiboot kommt längsseits auf einige Meter heran. Und dann hören wir schon über Funk Kanal 16, dass es sich um eine Kontrolle handelt und wir auf Kanal 08 wechseln sollen.

Nombre und numero del barco? De que vienen Usted? Proximo Puerto?

Dietmar und ich sind einigermaßen perplex, beantworten aber alles auf Spanisch über Funk.

Que tengan buen viaje, wünschen sie uns zum Abschied. Und so schnell wie das Polizeiboot herangedüst ist, so schnell zieht es auch wieder ab. Das ist uns auch noch nicht passiert.

Kurz darauf sehen wir, dass sich die Windanzeige erstmals wieder bewegt. Recht schnell drei Knoten mehr. Das muss jetzt die Accelerationzone von Gran Canaria sein. Wir reffen sofort. Dank Kopflampen können wir auch in der Nacht ausreichend gut sehen, um die Manöver schnell abzuwickeln. Gut erkannt – denken wir uns beide – keine 10 Minuten später haben wir wieder 25 kn Wind und 2m hohe Wellen.

Und jetzt beginnt der harte Teil. Wir müssen in den Norden und haben den Wind genau auf die Schnauze. Aufkreuzen, regelmäßige Wenden, weil der Wind genauso regelmäßig dreht und wir regattagleich um jeden cm geizen.. Somit ist auch klar, dass keiner von uns beiden noch schlafen kann. Der erste Schlag bringt uns noch einiges an Strecke, die nächsten Schläge sind zermürbend. Wir verlieren oftmals über 20 Grad an Strömung und Abdrift, weil wir bei diesen Bedingungen nicht schnell genug werden.

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Erst als die Sonne aufgeht, wird die See ruhiger, wir lassen das dritte Reff raus und dann auch noch das zweite und endlich schaffen wir so viel Speed, dass wir sowohl auf Steuerbord- als auch auf Backbordbug gute Höhe schaffen.

Die letzten Meilen vor Las Palmas schaffen wir unter Motor, auch weil wir nochmals den Watermaker anwerfen müssen. Um 13:00 sind wir in der Marina. 24 harte Stunden.

Aber wir sind auch sehr glücklich.

Einerseits waren das 24 sehr interessante Segelstunden, die uns wieder viel Gelegenheit gegeben haben, unsere Manöver zu optimieren, unsere Segel zu trimmen und einmal mehr ein Gefühl zu bekommen, wie unsere Starship mit diesen Bedingungen zurechtkommt.

Und andererseits haben wir hiermit die erste Etappe unserer Reise abgeschlossen. Wir sind in Las Palmas. Von hier startet die Atlantik Rally for Cruisers von Las Palmas nach St. Lucia, an der wir teilnehmen werden.

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Aber das ist eine andere Geschichte.


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05.11: Abschied von Tenerife

Eigentlich wollen wir ja schon am Sonntag nach Gran Canaria segeln. Aber hier in diesem winzigen Hafen in Las Galletas gefällt es uns wider Erwarten sehr gut. Die Rahmenbedingungen passen einfach:

  • Kleine Marina
  • Netter und untouristischer Ort mit allem, was man/frau so braucht
  • und das Beste: die belgische SY Nautilus mit Katrin, Hans, Seppe und Fien

Die Kinder spielen am Nachmittag immer zusammen, gehen angeln, erhalten von Hans Tauchunterricht oder streunen einfach herum.  Wir kümmern uns einstweilen darum, die STARSHIP „atlantiktauglich“ zu machen. Das heißt: Proviant nochmals zählen, Ergänzungslisten für den Großeinkauf in Las Palmas schreiben, Proviant neu sortieren, alles wegpacken, was wir in den drei Wochen nicht brauchen werden, etc.

Und am Abend gibt es gelegentlich einen Sundowner mit den Belgiern.

Aber die Wettervorhersagen meinen es nicht so gut mit uns:

wetter-galletas

Der Wind kommt genau aus der Richtung, in die wir wollen. Das einzige vernünftige Wetterfenster für die 18-Stunden-Etappe bis Las Palmas ist der 5.11.

Also planen wir den Start für heute 13 Uhr.

Tenerife

Geplante Ankunft in Las Palmas: Morgen in der Früh.


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01.11: Tenerife

Die Marina San Miguel verlassen wir am nächsten Morgen. Ziel ist die nur 2 sm weiter südwestlich gelegene Marina del Sur.

Zwei Telefonate bestätigen uns, dass es Platz gibt. Aber als wir dann bei starkem Wind in der kleinen Hafeneinfahrt stehen, winken uns die Marineros „FULL“. Was?  Über Funk haken wir mehrmals nach und unsere Hartnäckigkeit wird belohnt. Nach „cinco minutos“ – die charmante spanische Umschreibung für 15 – 30 Minuten – dürfen wir trotzdem in die Marina und erhalten am letzten Pontoon einen Platz – aber was für einen. Römisch-katholisch ohne Fingersteg mit Mooring und bei starkem Seitenwind. Die ersten beiden Versuche, in die enge Lücke zu manövrieren, bricht Dietmar ab. Beim dritten Versuch passt es super gut und die Starship liegt ohne „Feindberührung“ sicher im Hafen.

Kaum, dass wir mit dem Anlegen fertig sind, springt Katharina auch schon von Bord. Sie hat am Nachbarpontoon die SY Nautilus entdeckt. Und damit ihre allerbeste belgische Freundin Fien. „Sie ward seitdem nicht mehr gesehen“.

Nach Graciosa, Lanzarote, La Palma und  La Gomera ist es schwierig, Tenerife etwas abzugewinnen. Aber der Pico de Teide ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

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Außerdem finden Lukas und Florian dort ihre MEGA-Bockerln.

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