sy starship

nothing's gonna stop us now

06.08 bis 09.08: Biskaya Querung (Falmouth GB – A Coruna E)

Ein Kommentar

06.08 0500 UTC bis 09:08 2230 UTC:

Biskaya Querung (Falmouth GB – A Coruna E)

Geschafft. Wir haben ein gutes Wetterfenster erwischt.

06.08

Ablegen in Falmouth

Gemeinsam mit HeckoGecko starten wir ganz pünktlich um 0500. Es herrscht – so wie erwartet, aber trotzdem unglaublich nach dieser Starkwindphase – Windstille. Die ersten 24 Stunden fahren wir daher unter Motor. Die Atlantikwellen (also die Dünung durch den Wind der vergangenen Tage) kommen von steuerbord 2 Uhr, kurz und bisweilen 1,5 Meter hoch.

Bordschule

Die Kinder sind bester Dinge, die Capitanos auch, einzig Traude bringt nur mühsam ein Lächeln auf die Lippen. Ihr ist unsagbar übel. Sie traut sind nicht einmal unter Deck gehen und so planen wir für die Nachtfahrt sogar ein Lager auf Deck für sie vor. Aber siehe da, gegen Mitternacht ist dann die Müdigkeit stärker als die Übelkeit und sie schläft in der Bugkabine ein. Die Nachtschichten sind von Mathias fix eingeteilt und am Ende meiner Schicht von 0300-0600 setzen Traude und ich die Genua zum Großsegel, drehen den Dieselmotor ab und segeln – endlich.

07.08.

Alles läuft bestens – sogar Traude geht es von Minute zu Minute besser.

Aber HeckoGecko zieht nun unter Segeln immer mehr davon. Ihre Dufour 40 ist fast um 50% leichter als wir, schlanker und weist -relativ gesehen – wesentlich mehr Segelfläche auf. Was auch immer wir an Trimm versuchen, bei nur 8-10 kn Wind kommt unsere STARSHIP nicht in Fahrt. Bald sehen wir sie nur mehr als kleines Dreieck am Plotter – gute 6 – 7 Meilen liegen sie vor uns. Da hilft auch unsere Geheimwaffe – der Parasailor – nicht, denn auch für ihn haben wir nicht genug Wind.

Die Nachtwachen sind – um verschiedene Varianten auszuprobieren – wieder anders eingeteilt. Ich starte bis 0100. Leider sind wir mitten in eine nicht eingezeichnete Verkehrszone geraten und manövrieren uns wieder einmal im Slalomstil zwischen den großen Frachtern hindurch. Diese Nacht kommt uns auch ein Wal gefährlich nahe. In der dunkeln Nacht sehen wir ihn nicht, hören nur sein Schnaufen und Prusten.

08.08.

Dritter Tag auf See. Der Wind lässt nach. Die Atlantikwellen schaukeln das Boot von links nach rechts. Die Segel schlagen trotz Bullenstander. Das ist extrem nervend. Da hilft nur etwas anluven und zu Lasten der direkten Route einen ruhigeren Kurs suchen.

Auch das Angelglück haben wir nicht gepachtet. Einzig eine Möwe hat Interesse an unserem Köder.

Dann aber am späten Nachmittag, als der Wind wieder (noch) schwächer wird, erreicht uns ein Funkruf von HeckoGecko. „STARSHIP, wir haben ein Problem!“.

HeckoGecko - this is Starship

Die Lichtmaschine dürfte defekt sein, lädt die Servicebatterien nicht und somit können sie trotz vollen Dieseltanks kaum mehr als eine halbe Stunde unter Motor fahren. Solange genug Wind aus einer guten Richtung zum Segeln da ist, kein Problem, aber wenn die angekündigte Flaute mitten auf der Biskaya tatsächlich einsetzt, dann hängen sie im Nichts herum. Da wir d auf der Starship nicht lange herumgefackelt und sofort zurück gefunkt: „Klar, sobald die Flaute da ist, schleppen wir euch!“

Die dritte Nacht auf See ist die unheimlichste. Der Wetterbericht kündigt Regen, etwas mehr Wind und dann in der Früh Flaute an. Und so kommt es auch.

Bei 12-15 kn Wind machen wir 8 kn Fahrt, aber im dicken Nebel mit feinem Nieselregen sind wir wie ein Geisterschiff unterwegs. Nur noch knappe 100 Seemeilen von Spanien entfernt, heißt es wieder einmal „Ausweichen, Frachter von Backbord 7 Uhr. Fischer auf 1 Uhr, ….“.Dietmar und ich teilen uns die Wache von 1:00 bis 7:00 Uhr mit jeweils 1 Stunde Schlafpause dazwischen. Mehrmals wenden wir und nehmen Kursänderungen vor. Auf Backbordkurs ist es für die Schlafenden unter Deck deutlich angenehmer- wenn auch wegen der Krängung noch immer sehr schwierig. Lukas rollt in der Nacht ständig auf Mathias, der ausnahmsweise in seiner Kabine liegt, weil Isa und Katharina den Salon eingenommen haben. Bis es Lukas zuviel wird und er in unsere Kabine wandert, die ohnehin frei ist, weil Dietmar und ich die Wache größtenteils gemeinsam absolvieren.

Überhaupt – die Krängung macht das Leben unter Deck wirklich schwierig. Man kann keine 30 cm gehen, ohne sich irgendwo anzuhalten. Beim Geschirrwaschen oder Kochen muss man/frau sich zwischen Herd, Spüle und Kühlschrank verkeilen. Zum Kaffeeeinschenken braucht man 4 Hände, denn maximal eine (eigene) Hand ist zum Arbeiten frei, die zweite dient zur Abstützung. Nur mit Socken rutscht man von der Toilette quer über das Boot praktisch in den Herd hinein.

09.08

Um 6 Uhr heißt es erstmals „Land in Sicht“. Vor uns – zwischen den grauen Wolken – zeichnen sich die Berge der iberischen Halbinsel ab. Lukas – als Erster auf – ist schwer begeistert.

Am Vormittag ist der Wind zur Gänze weg. Die Schlepperaktion tritt in Kraft. Fast scheint es so, als wäre diese Aktion der Höhepunkt der gesamten Biskayaquerung für die Kinder. Über Funk und nach genauem Studium der „Seemannschaft“ zum Thema „Schlepphilfe“ beratschlagen wir, wie wir das Manöver durchziehen wollen, bereiten zwei Festmacherleinen als Hahnepot vor, fahren unter Motor in Lee an HeckoGecko heran, übernehmen von Sven die 50 Meter lange Ankertrosse und befestigen diese mit einem Palstek an unseren Festmacherleinen.

Schlepperarbeiit

Das Manöver klappt 1A und wenige Minuten danach haben wir einen wirklich guten Fang an der Leine – die HeckoGecko.

HeckoGecko an der Angel
Fast 6 Stunden lang schleppen wir die HeckoGecko mit 1800 Touren und guten 5 Kn gleichmäßig hinter uns her.

Am späteren Nachmittag setzt Nordwind ein, wir können die Trosse wieder lösen, und HeckoGecko und wir segeln die letzten 8 Stunden bei traumhaftem Wetter.

Während wir uns noch für die Hafeneinfahrt klar machen, starten unter Deck schon die ersten „Kabinenpartys“.
die Mädchen feiern die gelungene Überfahrt

Über Funk – diesmal auf Spanisch – erreichen wir die Marina Coruna, erhalten recht kryptische Anweisungen, wo wir anlegen sollen (und es lag nicht „nur“ an meinem Spanisch) und machen tatsächlich kurz nach Mitternacht in der Marina fest.

Bienvenido a Espana. Wir haben es geschafft.

10 Minuten nach uns legt HeckoGecko in der Box neben uns an und statt des üblichen Ankerbiers gibt es dieses Mal eine Stehparty mit Champagner im Salon der Starship. Ein großartiger Abschluss einer aufregenden Überfahrt – und umso mehr, als wir schließlich auch noch auf Dietmars 48er anstoßen können. Denn jetzt ist ja bereits der 10.08 und damit Dietmars Geburtstag.

Frühstück

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu “06.08 bis 09.08: Biskaya Querung (Falmouth GB – A Coruna E)

  1. Pictures look so nice, I’m happy for you!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s