Was ist das Gegenteil von „Stressfrei segeln“? 10 Tage in der Marina reparieren. Ich weiß, wovon ich spreche.
Letzten Oktober gönnen wir uns 10 Tage Segelurlaub. Das Boot ist ja fix und fertig segelbereit. Wir müssen nur den Inlet Strainer der Wasserpumpe austauschen (feuchte Albträume). 11 Euro Ersatzteil mit großer Wirkung (das Geräusch der reparierten Pumpe ist hervorragend), das Boot außen putzen, Proviant einkaufen, Wasser tanken und Diesel in Kanistern von der Tankstelle holen. Wir gehen noch entspannt am Samstag Abend essen und wollen Sonntag früh starten.
Ein nerviges Tropfgeräusch lässt mich einfach nicht einschlafen. Im Nachthemd und mit der Taschenlampe ausgestattet mache ich mich auf die Suche. Das Tropfgeräusch kommt aus dem Motorraum. Ich traue meinen Augen nicht. Das Ausweichgefäß für den Coolant, das zu Mittag noch halbvoll mit grüner Kühlflüssigkeit war, ist voll mit Wasser und von dort tropft es. Ich koste: Süßwasser.
Sonntag – keine Abreise. Wir rätseln, was passiert sein kann, fragen Stegnachbarn und die Schwarmintelligenz (ein Seglerforum), ob unser Verdacht richtig sein kann: Der Coolant im geschlossenen Kühlkreislauf des Dieselmotors wird in zwei dicken Schläuchen zum Boiler und vom Boiler zurück zum Motor geführt – zur Kühlung und damit wir auch unterwegs warmes Wasser haben. Vermutlich sind diese Kupferschläuche im Inneren des Boilers gebrochen und das Boilerwasser ist durch den Druck der frischen Wasserpumpe in den Kühlkreislauf des Motors gelangt.
Was nun?
Variante 1: Kühlkreislauf kurz schließen, Boiler überbrücken, Süßwasserkreislauf kurz schließen (auch hier den Bolier überbrücken), Coolant kaufen und neu eingießen und ohne Warmwasser SEGELN
Variante 2: Reparieren.
Wir entscheiden uns fürs Reparieren, den Variante 1 wäre ja nur eine kurzes Lösung.
Natürlich gibt es keinen QUICK Boiler in Kreta lagernd. Aber in Athen und der wird am Mittwoch geliefert. Baugleich – denken wir. Ist er aber nicht. Die Anschlüsse haben sich in den vergangenen 15 Jahren geändert.
Um den alten Boiler auszubauen, müssen wir den Sitzteil der Salonbank abbauen. Das war 15 Jahre lang nicht erforderlich. Die 20 Schrauben lassen sich zum Teil nicht mehr herausschrauben. Wir müssen bohren. Das Gewinde ist kaputt. Wir suchen in mehreren Handwerkerläden in Agios Nikolaus nach Ersatzschrauben (finden aber keine). Und natürlich: der Boiler ist dort eingebaut, wo er im Regelfall nicht stört, wo man aber auch nicht gut hinkann. Ich liege flach ausgestreckt auf der restlich Sitzbank und schraube mit der rechten Hand, während ich mich mit der linken Hand abstütze. Ich bin voller blauer Flecken an beiden Armen.
Im Seglerforum rät man uns, zusätzlich eine Vorrichtung zu schaffen, damit wir die beiden Kreisläufe (Motorkühlung und Boiler) trennen können.
Der englisch sprachige Mitarbeiter im örtlichen Installateurladen kennt uns nach dem zweiten Besuch schon. Wir kaufen jede Menge Dichtband, Schellen, 2er und 3er, Schläuche.
Stunden um Stunden (zwei Tage lang) versuchen wir die Konstruktion dicht zu bekommen, bauen den Boiler ein, pumpen Wasser, und hoffen, dass es nirgendwo tropft. 2 Versuche gehen schief. Und jeder Versuch ist begleitet von 40 l Wasser in der Bilge, das wir schöpfen müssen, weil wir jedes Mal den Boiler füllen und dann wieder leeren müssen. Jeden Abend müssen wir aber die Werkstatt wieder in den Salon umbauen, um wenigsten am Abend „Urlaubsfeeling“ zu haben. Alles Werkzeug wegräumen, die Sitzbank wieder zurückbauen, putzen um den Arbeitsdreck wegzubekommen. Wir sind schon ein wenig verzweifelt.
Beim dritten Versuch am Freitag klappt es. Allerdings haben wir auf alle Zusatzfeatures verzichtet, nur den Boiler angeschlossen, Wasser nachgefüllt und ganz am Schluss sogar den Coolant getauscht (natürlich haben wir davon die Rest vom alten ordentlich entfernt).
Mit dem großartigen Gefühl, den Boiler erfolgreich getauscht zu machen, können wir gestärkt gleich dazu übergehen, das Boot winterfest zu machen (Segel abnehmen, ….), denn damit war der Urlaub vorüber.
22/05/2024 um 09:33
Ich bewundere Eure Geduld im Umgang mit dem eigenen Boot deshalb haben wir (zusammengeschmiedete befreundete und getrennt familiäre Seglerschar mit den Kindern) in den 35 Segeljahren weltweit grundsätzlich alle unsere Segelschiffe nur von absolut *)vertrauenswürdigen Charterunternehmen gemietet und es gab gottseidank bis auf lösbare Kleinigkeiten keine Probleme.
Trotz aller Unannehmlichkeiten wünsche ich Euch weiterhin viel Optimismus und Freude mit weiteren schönen Segelerlebnissen.
Alles Gute wünscht Euch
Rudi
*) die Liste der Charterunternehmen haben wir über breite Seglerfreundschaften immer gegenseitig mit den gemachten Erfahrungen ausgetauscht!