sy starship

nothing's gonna stop us now


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2023 – Mediterrean „All time high“

Von nun an planen wir unsere Segeletappen samt Ankerplatz/Stadtkai nur noch nach den Windböen.

Loutro, ein begehrtes Fotomotiv in Reiseführern, weil nur mit dem Boot erreichbar, beschert uns ein einfaches Hinkommen samt windstiller Nacht.

Der Stadtkai von Agia Galini am nächsten Tag ist der beste Kompromiss, denn den ganzen Nachmittag und Abend begleiten uns heftigste Böen und in der Umgebung ist kein geeigneter Ankerplatz zu finden. Die Starship liegt mit 9 Fendern abgefedert am Stadtkai. Wir blasen sogar noch die neuen Reservekugelfender auf. Insgesamt halten 5 Kugelfender und 4 normale Fender die Starship vom Kai weg. In der Früh haben sich die Böen noch immer nicht gelegt. Das Ablegemanöver mit Eindampfen in die Achterspring ist ein Nervenkitzel und dauert wegen der insgesamt 5 Versuche über 30 Minuten.

Nur 20 Seemeilen entfernt ist unser nächster Ankerplatz, das Fischerdorf Lendas – wieder eine böenfreie Zone (zumindest in der Nacht begleitet uns nur ein regelmäßiger ablandiger Wind mit 10 Knoten).

Und dann steht uns die große Etappe bevor. Lendas – Ierapetra: 40 Seemeilen und unweigerlich durch eine starke Böenzone.

Die Böenzone kündigt sich schon von weitem an . Die Gischt ist eine gute Meile vorher zusehen. Die Wasseroberfläche ist deutlich dunkler. Die Schaumkronen der Wellen sind unübersehbar.

Gerade noch sind wir mit ständigen Winddrehern beschäftigt, da ist die Böenwalze schon da. In Null komma nichts heißt es nicht 6 Knoten Wind von irgendwo her, sondern 25 Knoten wahrer Wind im Einfallswinkeln 70 Grad.

In Windeseile werfen wir alle Sitzpölster in den Salon, ziehen die Schwimmwesten an und nehmen noch etwas von der ohnehin schon gerefften Genua weg. Das Großsegel hatten wir mangels Wind gar nicht gesetzt.

Der Windanzeiger klettert weiter. 30 Knoten, 35 Knoten.

Nochmals reffen wir die Genua auf praktisch Taschentuch-Größe.

Die Wellenhöhe hält sich mit 1,5 m in Grenzen, die Abstände sind aber so kurz, dass wir 5 Mal durch eine seitliche Welle zur Gänze geduscht werden.

Unaufhörlich ziehen die Böen über uns hinweg.

Dann wird es noch lauter. 40,6 Knoten wahrer Wind, 43,5 Knoten scheinbarer Wind.

Das ist unser „All time high“ seit wir im Mittelmeer segeln. Selbst der Druck der geringen Genuagröße auf den Mast ist so groß, dass die leeseitige Innenwant locker mitschwingt.

3 lange Stunden dauert der Spuk, dann wird er Wind raumer und nimmt ab. An Wind- und Wellenrichtung erkennen wir gut, dass wir am Ausläuferrand segeln. Dann ist der Wind weg.

Wir motoren ein kurzes Stück, ich nutze die Zeit um das Cockpit vom vielen Salz zu befreien, eine angenehme Brise mit 10 Knoten setzt ein, wir setzen das Großsegel und die Genua und segeln traumhaft mit 7,7 Knoten dahin. Bilderbuchsegeln.

Es sind nur noch 6 Seemeilen bis Ierapetra. Das Ziel ist so nahe. Wir überlegen schon, wo wie das „All time high“ feiern werden. Der Wind lässt nach. Fast gleichzeitig blicken Dietmar und ich auf den Horizont, sehen die weißen Schaumkronen auf dunklem Hintergrund. „SEGEL RUNTER“.

Wir holen das Großsegel ein und reffen die Genua auf Taschentuchforma, werfen die Sitzpölster in den Salon, schlüpfen in die Schwimmwesten und los geht es wieder. Aufkreuzen gegen Böenwalzen mit 30 Knoten um zum Ankerplatz zu kommen.

Der Anker fällt in der großen Bucht von Ierapetra, die Böen bleiben, aussichtslos das Boot zu verlassen. Schade um die „All time High“ – Feier.


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2023 – Kretische Fallwinde

Die letzte Etappe nach Kreta steht an. Methoni am ersten Finger des Peloponnes zur Nordwestspitze von Kreta. 115 Seemeilen. 20 Knoten achterlicher Wind; wir planen pessimistisch 20 Stunden über Nacht und starten pünktlich um 12:00 Uhr.

Nach anfänglichen Flautenzonen setzt dann der prognostizierte Wind ein, am Backboardbug schaffen wir nicht die erforderliche Höhe, der Steuerbordbug brächte uns zum dritten Finger des Peloponnes. Also Zielwechsel: nicht Nordwestspitze, sondern Südwestspitze (140 Seemeilen Entfernung). Der Wind nimmt zu. Wir segeln im 2ten Reff bei 22 Knoten Wind, mal 3 Knoten mehr, mal 3 Knoten weniger. Die Wellenhöhe beträgt gegen Mitternacht schon über drei Meter. Gefühlt jede siebente Welle ist noch ein Stückchen größer und versetzt dem Heck der Starship einen ordentlichen Schubser. Zum normalen Geschaukel zwischen Backboard- und Steuerboard kommt dann noch der Siebenerschubser gefolgt vom Schlagen der Backboardschoten, weil die Genua den Druck verliert. In so einem Moment ist man froh über jeden Knoten Wind mehr, weil sich die Genau schneller erholt.

Im Stundentakt passiert uns ein großer Tanker/Frachter/Kreuzfahrtschiff. Wenn uns einer zu nahe kommt, stehe ich schon an der Funke und mache auf „the small sailing vessel STARSHIP“ aufmerksam.  

Am frühen Morgen sind wir nah genug an Kreta und wechseln mit einer Q-Wende auf den Steuerbordbug. Kurs passt genau.

Am Kap geht es erst so richtig los. Zwar nimmt das Kap den Wellen die Höhe, dafür legt der Wind ordentlich zu. Bei 28 Knoten (halber Wind) holen wir die Genua zur Gänze ein. Bei 30 Knoten Wind setzen wir das dritte Reff. Bei 34 Knoten Wind schaue ich nicht mehr auf die Windanzeige. Dietmar steuert von Hand. Und ich danke Paolo dem Rigger fürs neue Rigg und die gute Reffleinenführung.

Nur noch 10 Seemeilen bis nach Palaiochora. Ein kleiner Ort mit einer Landzunge, hinter der wir auf Sand den Anker fallen lassen wollen. Erst als wir den Ort erreichen, lässt der Wind durch die Abdeckung etwas nach, und wir werfen den Anker (31 Meter Kette auf 6 Meter Tiefe), geschafft.

Den Ort haben wir ausgewählt, weil laut Windy am Abend der Wind einschläft, und wir mit dem Dinghi in den Ort fahren können.

Leider gefehlt. Geduscht und fertig, um das Dinghi herzurichten, warten wir, dass der Wind endlich einschläft. Gegen 21:00 wollen wir zur netten Taverne vis-a-vis vom Ankerplatz. Aber um 21:00 geht es erst so richtig los. Eine Böenwalze nach der anderen zieht über uns drüber. Die Ankerkette samt Ankerkralle sind im Dauerstress. Die gefürchteten kretischen Fallwinde haben uns erwischt. Der Lärm ist unglaublich, als ob alle 5 Minuten ein Helikopter in unmittelbarer Nähe landen würde. Und wenn man glaubt (und hofft), jetzt ist es vorbei, weil schon 5 Minuten Stille ist, dann kommt die nächste Böenwalze noch lauter und stärker. Ganz zu Beginn sind es 25-30 Knoten, später checke ich den Windanzeiger nicht mehr. Das einzige Gute ist, dass sich keine Welle aufbauen kann, und die Starship nur hin und her geweht wird, aber keine Auf- und Abbewegung des Buges entsteht.

Weggehen in den Ort ist damit gestrichen. Vielmehr setzen wir ein Ankersegeln, räumen alles vom Cockpit weg, was davonfliegen könnte, und besprechen wir, was wir tun, sollte die Ankerkralle reißen. An Schlaf ist leider nicht zu denken. Dietmar übernimmt die Ankerwache bis 3 Uhr früh, dann gehen die Böen zurück, weg sind sie aber erst in der Früh, als die Sonne aufgeht.  

Willkommen bei den kretischen Fallwinden!


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2023 – Diesel-fit

Der Hafenmeister in Pylos begrüßt uns herzlich. Er kann sich an uns vom letzten Jahr erinnern – und zwar in der Reihenfolge: Bootsname STARSHIP und Seglerin.

Das Batterieproblem hat er gleich gelöst. Er ruft einen Elektrikerfreund an, der keine 20 Minuten danach eine neue Starterbatterie liefert. Dafür zahlen wir gerne gefühlte 50% mehr.

Fürs Dieselproblem (wir würden gerne nachtanken) bietet er Optionen: entweder finde ich zwei andere Segelboote, die auch nachtanken wollen, denn dann käme das Tankauto zum Kai, oder wir müssen zur Tankstelle am Berg und den Diesel in Jerrycans holen. Ich klappere die anderen Boote ab, alle sind versorgt, also Option 2. Raus aus der 1-er Montur (weißes T-Shirt und gestreifte Shorts), rein in die Arbeitskleidung (zerrissene Jeansshort und ältestes T-Shirt) und abtauchen in die achterliche Backkiste, um 2 volle Dieselkanister und 4 leere zu holen. Die Verrenkungen, um in der engen, schrägen Backkiste – zwischen Benzinkanister, Landstromkabeln, Steuerzug, Griller, Propangasflasche – die 6 Dieselkanister herauszuholen, sind anstrengender als jede Yoga-Stunde.

15 Minuten den Berg hinauf dauert es zur Tankstelle. Die 4 Dieselkanister sind gleich voll, ein Taxi lässt sich aber nicht auftreiben. Also tragen Dietmar und ich die 4 Kanister per Hand zurück zum Boot. Das hängt sich an. Zur Hälfte des Weges müssen wir schon einkehren und uns mit Orangensaft und Mythos-Bier stärken. So intensives Oberarmtraining schaffe ich im Fitnesscenter nicht.

So viel Training – Yoga und Gewichte – geht nur mit „Diesel-fit“.


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2023 – ein Crossing mit Anlauf- und Anlass-Hürden

Zwei Tage vor dem geplanten Flug Wien-Catania meldet sich Giuseppe, unser sizilianischer Tacxler des Vertrauens. Der Flughafen in Catania ist gesperrt. Tatsächlich. Die AUA bucht uns um nach Palermo. Das Taxi Palermo-MdR kostet gleich 2,5 so viel wie Giuseppe verlangt und die Strecke dauert 2,5 so lange – bei 40 Grad quer über die Insel.

Schon im Oktober 2022 haben wir Paolo, den Rigger in MdR gebeten, unser Rigg zu checken und ggf Wanten auszutauschen. Bis Mitte Juni 2023 findet er keine Zeit, obwohl ich im Monatsrhythmus urgiere. Mitte Juni 2023 empfiehlt er dann, das ganze Rigg zu erneuern. „Geht ganz schnell, dauert nur 10 Tage, Ende Juni bin ich fertig.“ Wahrscheinlich hat er Ende Juni 2024 gemeint, denn ich urgiere mittlerweile alle drei Tage, wie weit die Starship schon ist, und weise ständig darauf hin, dass unser Vertrag in MdR am 20.07.2023 ausläuft und wir ablegen müssen.

Wir kommen am Nachmittag an, Starship liegt noch in der Werft, der Mast steht, die Segel sind angebracht, das noch vor 6 Wochen super blitzblank geputzte Boot ist super dreckig. Pepe, der Elektriker muss noch die Verkabelung fertig machen. Wir verlegen die Starship zum Liegeplatz, putzen mehrere Stunden, um den „Werftdreck“ zu entfernen, warten bis zum nächsten Tag, dass Paolo noch die restlichen Bestandteile wieder bringt, und legen dann endlich am Donnerstag Nachmittag ab.

Die erste Nacht verbringen wir in Porto Palo, am Südzipfel Sizilien. Weil so gar kein Wind geht, bleiben wir noch eine Nacht, und starten dann bei super Wind am Samstag Vormittag das Crossing. Die ersten 10 Stunden mit bis zu 25 Knoten Wind. Dann schläft der Wind ein, und wir motoren in der Hitze 36 Stunden lang.

Am Montag, es sind noch 40 Seemeilen bis Pylos am Peloponnes, kommt nochmals Wind auf, wir setzen Segeln und kommen dem Ziel immer näher. 10 Seemeilen vor Pylos lässt der Wind ein wenig nach, wir wägen ab, ob wir weiterzuckeln oder mit dem Motor nachhelfen sollen, und entscheiden uns für Motorhilfe, um „endlich“ anzukommen. Ich versuche den Motor zu starten. NICHTS. Nochmals Startversuch. NICHTS.

Der Motor springt nicht an. Hat der Anlasser was? Während Dietmar sein Glück versucht, bringe ich das YANMAR-Manual und checke am Rückweg den Batterie-Monitor. „Dietmar, die Starterbatterie hat nur 60%.“ Die Starterbatterie, gerade einmal 2 Jahre alt, hat ihren Geist aufgegeben.

Was jetzt? Ohne Motor und bei so wenig Wind in den Naturhafen von Pylos zu segeln, scheidet als Option aus. Nach Methoni segeln ebenso, auch wenn es dort leichter wäre zu ankern.

Dann bleibt nur noch eine Option: den Motor mit einer der Servicebatterien kurz zu schließen.

Während ich die Genua reffe, damit wir Zeit gewinnen, hängt Dietmar die vierte und letzte der 4 Servicebatterien ab (damit versorgen die anderen drei noch immer das Bordnetz). Er schraubt die Verbindungen zur kaputten Starterbatterie ab und befestigt sie an der Servicebatterie. Was nach einem 5-Minuten-Job klingt, dauert natürlich deutlich länger. Dietmar hockt zwischen den Bodenplatten, das Werkzeug ist rundherum verteilt, der Schweiß rinnt uns in Bächen vom Körper, ich erledige abwechselnd Reparaturassistenz-Leistungen und bin am Steuer.

Dann – ein neuerlicher Startversuch. Und der Motor springt an. Kurze Zeit später legen wir an der Kaimauer in Pylos an.

Porto Palo (IT) – Pylos (GR): 2 Tage 8 Stunden, 315 Seemeilen.