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2024 – „Nur mal die Batterien checken“

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Juli 2024:

Jede Ausrede ist uns recht, um ein verlängertes Wochenende zum Boot zu fahren und die Wartezeit zum Sommertörn zu verkürzen.

Freitag um 16:00 Uhr kommen wir an, Leihauto holen, Minieinkauf. Um 18:00 Uhr sind wir am Boot, Wasser tanken, alle Abdeckungen wegräumen, unser Handgepäck ausräumen (nur Ersatzteile), und um 19:00 Uhr legen wir ab mit Ziel „Krios Bay“.

Die Batterien scheinen in Ordnung. Der Toploader läuft auf Volltouren. Alle Getränke sind herrlich kalt. Also war unsere Sorge unberechtigt. Es dürfte tatsächlich nur eine von vier Batterien den Geist aufgegeben haben; die drei anderen arbeiten gut. „Nur mal die Batterie checken“ war dann wohl tatsächlich nur ein Vorwand, um aufs Boot zu fahren.

Um 20:15 Uhr fällt der Anker. Nach einer rolligen Nacht verlegen wir uns Samstag in der Früh nach Spinalonga, 1 Stunde unter Motor – ein guter Deal. Die 20 – 33 Kn Wind lassen sich in dieser Lagune mit Schlammboden und ohne Wellengang besser aushalten als in der Krios Bay. Denn vor uns liegen drei Arbeitstage.

Wir montieren einen neuen Gasmelder und einen neuen Kohlenmonoxidmelder – alle 10 Jahre soll man diese Geräte tauschen. Hätten wir einen baugleichen Gasmelder genommen, wäre es ein leichtes Unterfangen. So müssen wir den Gasmelder zur Gänze neu verkabeln. Hinter dem Gasherd durch, unter der Bodenplatte beim Kühlschrank abzweigen zur Abwasch, vor dort in den Motorraum, dann entlang der Batterien zum Batteriehauptschalter. Alte Sushi-Stäbchen dienen als Führung für das Kabel, um unter den Bodenplatten vorwärts zu kommen. Die Kabellänge (besser Kabelkürze) verlangt genauestes Arbeiten, kein Millimeter Kabel darf verschenkt werden, der Weg muss optimiert werden.

Der zweite Badezimmerspiegel bekommt eine Spiegelsteinumrandung.

Ein Scharnier unter der Abwasch hat sich verselbständigt und wird wieder auf Spur gebracht. Zum Glück haben wir 10 Ersatzscharniere – nur, weil man die aber so selten braucht, im hintersten Winkel verstaut.

Eine größere Angelegenheit ist die elektrische Winch. Schon vor gut 5 Jahren hat der „Slow“-Modus aufgehört zu arbeiten. Nach einigen erfolglosen Versuchen mit Kontaktspray und Säubern von Kontakten hat unsere Fehlereingrenzung ergeben, dass es wohl an der „Controlbox“ liegen muss. Kaum haben wir den Ersatzteil an Bord, funktioniert der „Slow-Modus“ wieder (nicht immer, aber oft genug). Also wird die Controlbox verräumt und wartet auf ihren Einsatz.

Beim Mai-Törn fällt der „Fast-Modus“ aus. Aber dieses Mal klingt es anders, wenn wir die Taster betätigen. Das vertraute „Klicken“ fehlt. Wir tauschen die Taster, um auszuschließen, dass es am Taster liegt. Richtig, beide Taster funktionieren.

Wir prüfen überall, ob Strom anliegt. Nur bei der Controlbox für den „Fast-Modus“ zeigt der Multimeter „0“.

Gut, dann bauen wir die neue Controlbox ein. Leicht gesagt, schwer getan, denn wie üblich ist es ein mehrstündiges Überkopfhantieren auf dem kleinen Vorsprung in der Backboardkabine sitzend bei gefühlt 40 Grad.

Dazu kommt noch, dass wir beim Montieren erkennen, dass die alte Controlbox entgegen der Anleitung falsch (also kopfüber) verbaut war und wir neue Löcher bohren müssen, um die Box vertikal anzubringen. Warum sie falsch montiert war, erklärt sich beim Anschrauben der Leitungen. Vertikal montiert ist es deutlich komplizierter, die Leitungen so anzubringen, dass sie sich nicht berühren können.

Ganz zum Schluss tauschen wir noch die Taster zum Betätigen der Winch aus. Die Sonne setzt dem Gummi so stark zu, dass es sich nur noch um Monate gehandelt hätte, bis diese von selbst zerbröselt wären. Alte Taster abmontieren, Untergrund vom Silikon befreien, neu Silikonisieren, neue Taster anschrauben. Und zum Schutz vor der Sonne nähe ich eine Abdeckung aus grauem Sunbrella.

Wenn die Nähmaschine schon heraußen ist, dann wird die Halterung für die Badeleiter erneuert und die „Vorhänge“ für die Sprayhood werden ausgebessert.

Am Sonntag Abend bekommt der Kühlschrank noch eine neue Dichtung. Die alte hatte keine Elastizität mehr. Wir drehen auch den zweiten Kühlschrank auf und genießen den letzten Abend am Boot.

Wir schlafen die ersten Stunden der letzten Nacht im Cockpit. Nach dem starken Wind der letzten beiden Tage mit Böen bis 33 Kn tut es so gut, draußen liegen zu können. Erst kurz von 1 Uhr wollen wir uns in die Kabine legen. Noch schnell ein kaltes Mineral aus dem Kühlschrank – und schon stehe ich mit einem Fuß in einer Lache vor dem Kühlschrank. Das kann nur vom Kühlschrank kommen. Wir öffnen beide Kühlschränke. Beide tauen ab. Die Batterieanzeige ist bei 92% und 12,3 Volt. Also doch – die drei verbliebenen Batterien geben auch ihren Geist auf. Zu wenig Spannung führt dazu, dass die Kühlschränke keine Energie bekommen, um zu arbeiten. Und damit sinkt die Batterieanzeige auch nicht.

Wie gut, dass wir hier sind. Also doch keine Ausrede. „Nur mal die Batterien checken“ war schon okay.

Am nächsten Morgen zurück in Agios Nikolaos organisieren wir neue Batterien, die im August geliefert werden – aber das ist eine andere Geschichte.

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