3 Tage bleiben uns noch bis zum Rückflug, und endlich ist wieder „richtig“ Wind angesagt. Richtig, weil genug, und richtig, weil die Richtung stimmt. Rechtzeitig dafür haben wir unser Radar wieder zum Laufen gebracht. Denn mit dem Wind sind auch Gewitter und Regen nahe der Insel Kreta angesagt.
Den Schlag von Ios nach Anafi kennen wir schon, 6 Stunden mit achterlichem Wind. Auf unseren Platz an der Mole des „Stadthafens“ in Anafi müssen wir zwar zwei Stunden warten, bis das Ausflugsschiff ablegt, aber dafür liegen wir sehr mittig und ruhig und können einen sehr schönen Abend in Chora genießen.
Sonntag in der Früh geht es noch vor Sonnenaufgang los. Für heute ist mehr Wind angesagt. Vor uns blitzt es – dunkle Wolken und Wetterleuchten begleiten uns in den ersten Stunden.
Wir starten verhalten im dritten Reff und reffen dann – nachdem sich die Wolken immer mehr verziehen – nach und nach aus. Volle Besegelung bei 18 – 20 Knoten raumen Wind verhelfen uns zu Spitzengeschwindigkeiten von über 8 Kn SOG. Für die Strecke Anafi-Agios Nikolaos von 75 Seemeilen würden wir vorsichtig 15 Stunden schätzen und liegen zur Halbzeit bei einer Prognose von 12 Stunden. Das Segler:innenherz lacht.
Im Laufe des Nachmittages nimmt der Wind zu, dreht mehr westlich, und die Wolkendecke wird wieder dichter. In der Ferne sehen wir, wie sich erste Wolken entladen. Das Radar bestätigt unsere Wahrnehmung. Dicke Flecken zeigen, wo es gerade regnet und welche Gebiete wir besser umfahren sollten. Mit den Wolken wird der Wind auch böiger, und nahe der Küste Kretas nimmt die Wellenhöhe zu.
Mit meinem Wunsch „Ich würde gerne reffen, und zwar gleich ins dritte Reff“, einige Seemeilen vor dem Kap überrasche ich Dietmar, der nicht so begeistert ist, denn die Geschwindigkeit sinkt gleich auf 5,8 Kn SOG. „Keine Ahnung, wie sich der Wind am Kap verhält, und auch die Wellenhöhe ist jetzt fürs Reffen noch angenehm“, füge ich erklärend dazu.
Am Kap angelangt ist der Wind weg, und nach wenigen Minuten bin ich fast schon versucht, eher kleinlaut ein Ausreffen anzubieten, als uns die erste Böenwalze der typischen kretischen Fallwinde erreicht. 28 Kn Wind aus dem Nichts. Die folgenden 6 Seemeilen zählen zu den Schnellsten der Überfahrt. 32 Kn Wind sind Tageshöchstwert.
Wir erreichen unsere Marina um 18:30 Uhr und starten sofort, unsere Checkliste für das Sommertörn-Ende abzuarbeiten. 9 Stunden brauchen wir, dann ist die STARSHIP wieder „Ready to go“.
Zwei schöne Segeltage führen uns von Schinoussa nach Ios – zuerst in eine Bucht nahe der Stadt Ios und dann in jene Bucht im Süden von Ios, in der wir im Mai bei rund 35 Kn -40 Kn eine Nacht verbringen mussten.
Jetzt lernen wir das Kontrastprogramm kennen – wenig Wind und Flaute.
Macht nichts. Wir haben Marinesilikon für uns entdeckt und beginnen, jede erdenkliche Stelle neu zu silikonisieren. In Etappen (Schwimmen-Relaxen-Arbeiten) kratzen wir alte, graue Silikonreste heraus und verfugen mit dem neuen, strahlendweißen Marinesilikon. Zunächst die Bäder, dann den Niedergang und schließlich die Küche. Wie frisch das gleich wirkt.
Windfenster sind die optimale Gelegenheiten für Segeletappen. So ein Windfenster beschert uns eine anspruchsvolle, aber schnelle Überfahrt von Leros nach Amorgos.
Bei Wartungsfenstern wartet man auf Windfenster und nutzt die Zeit optimal für Wartungsarbeiten am Boot.
Flaute rund um Schinoussa beschert uns in einer großartigen Bucht ein Wartungsfenster zur rechten Zeit, weil genug zu tun ist.
Schon seit einigen Jahren (!!!) beobachten wir, dass der Decksbeschlag für das Babystag, wenn es nicht genutzt wird, sehr locker erscheint. Die Überfahrt von Leros nach Amorgos hat uns zusätzlich nasse Pölster im Salon beschert, weil der Decksbeschlag nicht mehr dicht ist. Wir montieren den Lautsprecher im Salon ab und erkennen das Ausmaß der Bescherung.
Der Beschlag wurde nicht unterfüttert, das heißt, es gibt weder Metall noch Holz unterhalb des Decks, um dem Druck des Babystags entgegen zu wirken. Wir haben nichts passendes zur Hand, behelfen uns mit einem Plastikstück, in das wir Löcher bohren, und kleben es mit sehr viel Marinesilikon von innen an. Schrauben und Muttern drauf, von außen abdichten und es sitzt wieder superfest.
Beim Maitörn haben wir geringe Mengen Salzwasser im Motorraum entdeckt. Nicht viel, vielleicht 100 ml bei 2 Stunden Fahrt unter Motor, aber genug, um sich wie eine dunkle, schmierige Masse durchs Boot in die Bilge zu ziehen. Das Leck ist gefunden. Der Auspuffschlauch wird an der Biegung porös. Und fällt nicht viel besseres ein, als das Marinesilikon, das bis 90 Grad hitzebeständig ist, zu verwenden, die undichten Stellen zu füllen und mit Gewebeband zu umhüllen. Der erste Test (wieder einmal zwei Stunden unter Motor) ist positiv. Kein Tropfen Salzwasser zu entdecken.
Ja, und dann wird auch noch unser Mai-Hoppala ersetzt. Die Traveller-Umlenkrolle auf der Backbordseite wird durch eine neue ersetzt. Marinesilikon und drei neue Schrauben, die wir extra in Wien besorgt haben, kommen zum Einsatz.
Kaum ein anderer Teil des Bootes funktioniert so einwandfrei und zuverlässig wie er.
Kristine, Traude und Florian haben die Heimreise angetreten. Dietmar und ich sind wieder alleine und starten den Weg nach Westen (Kos-Psermimos-Leros-Amorgos-Kofounisi). Um sicherzustellen, dass wir ausreichend Süßwasser haben, will ich den Wassermacher starten.
Nach der langen Winterpause ist zunächst „SPÜLEN“ angesagt. 1) Bootsauslass öffnen. 2) Wasserzulauf auf Süßwasser einstellen. 3) Wasser aufdrehen. 2 Minuten gluckert alles friedlich vor sich hin, dann ist auch der letzte Rest „Sterilisation“ aus den Leitungen gespült.
Dann geht es ans „WASSERMACHEN“. 1) Bootseinlass öffnen. 2) Wasserzulauf auf Salzwasser einstellen. 3) Schlauch in die vorbereiteten Plastikflaschen stecken, damit die ersten 2-3 Liter Wasser nicht in den Tank gehen. 4) Dieselmotor starten, weil der Wassermacher so viel Energie braucht. 5) Schalter auf ON.
Es tut sich nichts. Ich stelle nochmals auf OFF, dann auf ON. Nichts. Der Wassermacher springt nicht an.
Motor aus, Dietmar und ich begeben uns auf Fehlersuche. Und da haben wir ja schon einiges in 12 Jahren STARSHIP gelernt.
SCHRITT A: Gibt es eine Sicherung, die korrodiert ist? In der Explosionszeichnung finden wir keine Sicherung, obwohl eine erwähnt ist. Also „Schritt A“ überspringen.
SCHRITT B: Liegt Strom an? Mit dem Multimeter messen wir an der Druckpumpe. 12,8 Volt. Passt also. Dann kann es nur an der Verbindung vom „ON“ Schalter zur Pumpe liegen.
SCHRITT C: Ist sonst wo eine Verbindung korrodiert oder hat „Kontaktprobleme“? Zentimeter für Zentimeter folgen wir unter den Bodenplatten den hellgrauen Schläuchen, in denen die Leitungen für den Wassermacher liegen. Und siehe da, genau bei der Verbindung von Filter zu Panel finden wir eine kaum abgedichtete Steckklemme. Dietmar öffnet sie – vollkommen korrodiert.
Batterieschalter aus. Kabeln kürzen. Neue Klemmen verwenden. Gut abdichten.
Wir starten den zweiten Versuch.
Dieselmotor starten. Schalter auf ON. Der Wassermacher springt an. Druck erhöhen. Und schon hören wir, wie sich die Plastikflaschen füllen.
Wir liegen „römisch-katholisch“ im Stadthafen von Pothia (KALYMNOS). KALMYNOS ist die Insel der Schwammtaucher. Den vielen schönen Stadtvillen nach zu urteilen, muss das wohl einst ein gutes Einkommen gesichert haben. Viele Häuser sind hellblau angemalt, um den nahen Türken zu zeigen, wie griechisch-patriotisch man ist.
Florian soll heute Abend mit der Fähre von MASTICHARION (KOS) ankommen. Was tun mit diesem Tag an Land? Wir mieten uns kurzerhand ein kleines Auto und fahren die Insel der Schwammtaucher im Uhrzeigersinn ab.
Argionata
Emporios
Vathys
Um 20 Uhr holen wir Florian vom Hafen ab und genießen einen lauschigen Abend in einem netten Lokal in einer Seitengasse in Pothia.
Endlich können wir SITIA verlassen. Es ist 16 Uhr an Nachmittag. Es ist Wind aus WNW mit ca. 10 Knoten angesagt. Wohin wir segeln, haben wir noch nicht festgelegt. Wir wollen uns erst entscheiden, wenn wir beim berüchtigten Starship-Kap angelangt sind und sehen, wie die Welle ist und welchen Kurs wir segeln können.
Kasos ist nur 30 Seemeilen entfernt, aber mit 10 Knoten Wind aus achtern kommen wir nicht vom Fleck.
Tylos ist 95 Seemeilen entfernt, 15-20 Stunden zu segeln, aber bietet für den Wind der nächsten Tage keine gute Ausgangsposition.
Was ist mit Astipalea? 80 Seemeilen entfernt, ein Kurs mit 60 Grad, viele gut geschützte Ankerplätze und eine gute Ausgangsposition für Kos.
Wir legen Kurs und segeln die Nacht durch. Der Wind weht gleichmäßig mit 8-10 Knoten, die Welle ist gering, es gibt kaum Böen. Wir sind so schnell, dass wir 10 Seemeilen vor Astipalea die Genua wegreffen, um bei Tageslicht anzukommen. Um 7 Uhr fällt der Anker in der Bucht von Vathi.
Dass ich das einmal durch den Funk sprechen würde. Aber der Reihe nach:
Traude und Kristine begleiten uns die ersten 10 Tage beim Sommertörn. Wir starten mit einem lauschigen Abend im „Lieblings-Lokal“ in Agios Nikolaus, genießen einen Badetag in der Krios Bay, erleben eine stürmische Nacht in der geschützten Bucht in Spinalonga und wollen als ersten Schlag mit achterlichem Wind die 20 Seemeilen nach Sitia zurücklegen.
20 – 25 Knoten achterlicher Wind und Wellen von 1-2 m sind gelegentlich nervig, aber kein Problem, vor allem, wenn man das Großsegel im dritten Reff fährt und kaum Genua nutzt. Wir segeln problemlos bis kurz vor Sitia. Wir reffen die Genua weg, um das letzte Stück nur noch mit dem Großsegel zu bewältigen.
Eine Q-Wende ist notwendig, um auf den Backboardbug zu kommen. Halsen bei 20-25 Knoten Wind und einer mittlerweile kabeligen (2-3m hohen) See wäre unklug. Die Wende bedeutet, ein kurzes Stück gegenan zu fahren. Ich stehe bei der Großschot, um in der Wende den Großbaum mit der Großschot anzuholen und dann wieder zu fieren. Kristine bei Dietmar neben dem Steuerstand. Die Wende misslingt mittendrin. Dietmar schreit: „Wir haben kein Ruder mehr!“ Das Steuerrad dreht sich durch. Wir schauen Dietmar im ersten Moment alle ungläubig an. Ohne Vorzeichen, ohne irgendwas, auf einmal ist die Starship nicht mehr steuerbar. 2 sm trennen uns von den leeseitigen Steilküsten, auf die wir wegen Wind und Welle unweigerlich zusteuern.
Gerade noch sind wir entspannt dahin gesegelt, jetzt sind wir im Krisenmodus. „Segel runter“, schreit Dietmar. Ich löse das Großfall und stehe schon beim Mast. Das schwere Segel herunter zu bekommen, wenn man nicht im Wind steht, geht kaum. Dietmar hilft, schreit um Seile, um das Segel Stück für Stück festzuzurren. Der Motor läuft schon. Aber die Starship dreht sich wie ein Kreisel im tiefen Wellengang. „Setz ein Mayday ab!“ Ich stehe am Funk, „Mayday, Mayday, Mayday, this is SY STARSHIP“! Es meldet sich irgendeine Stimme, die mich schlecht versteht, genau so wenig, wie ich sie. Dazwischen dreht sich die Starship munter im Kreis, Welle rauf, Welle runter. Ich soll meine Handynummer nennen, sie melden sich per Telefon. Traude sitzt im Cockpit, ist total ruhig und bewacht das Telefon. Es meldet sich niemand. Die Starship dreht den 20-ten Kreis. Dietmar ist noch immer damit beschäftigt, das Segel zu bändigen. Kristine und ich schauen uns an: warum dreht sich die Starship. Doch nur mit Ruder. Dann haben wir ein Ruder, aber die Übersetzung Steuer zu Ruder geht wohl nicht. Alle Fender aus der Backskiste. Ich tauche mit dem Kopf in die steuerboardseitige Backskiste, sehe aber nichts. Jedenfalls keinen Wassereintritt und auch keinen Riss in den Stahlseilen.
Unser Notruder! Kristine hilft mir, die andere Backskiste auszuräumen. Leinen raus, Besen raus, Bord raus. Die Starship ist bei der 30-ten Pirouette. Das Cockpit ist vollgeräumt mit Fendern, Seilen, dazwischen sitzt Traude. Das Notruder ist an der Innenseite der Backskistenwand befestigt. Ich tauche wieder kopfüber hinunter, um das Notruder aus der Verankerung zu ziehen. Irgendwie schaffen wir es, das Notruder herauszuziehen. Wir stecken es fest. Für mich ist es zu schwer, das Ruder zu betätigen.
Dietmar ist mit dem Segelreffen fertig. Das Großsegel ist mit Seilen heruntergebunden. Ein paar Mastrutscher und Segelschäkel werden dabei geopfert.
Endlich eine Stimme am Telefon. Ob wir das Schiff aufgeben wollen, wie viele Leute an Board sind, was überhaupt das Problem ist. Und außerdem ist der Seegang zu schwer, um ein Boor zur Hilfe hinauszuschicken,. Beim ersten und zweiten Mal erzähle ich noch geduldig, beim dritten Mal reißt mir die Geduld. Ich habe jetzt keine Zeit, irgendwas zu erzählen. Ich muss mich um das Schiff kümmern.
Dietmar kann das Boot mit dem Notruder unter Kontrolle bringen. Wir schaffen es unter Motor bis zum Kap. Dort wird es schlagartig ruhiger. Ich informiere über Funk, dass wir keine Hilfe mehr brauchen. Wind und Welle sind gefühlt vorbei. Noch eine halbe Seemeile und wir werfen den Anker vor Sitia. Ankerkralle setzen, Motor aus. Wir sind erleichtert, vor Anker zu liegen. 2 Minuten durchschnaufen im Cockpit, ein Glas Wasser trinken, die Schwimmweste ausziehen.
Problemsuche starten wir sofort. Die Backskisten sind ohnehin schon ausgeräumt. Beide klettern wir in die Backskisten. Ruder und Stahlseile sehen vollkommen in Ordnung aus. Ich ziehe an den Stahlseilen. Dietmar ruft in die Backskiste: „Das Backboardsteuerrad dreht mit!“. Tatsächlich – also hat nur das Steuerboardsteuer etwas. Während wir hoch erfreut sind, das Problem lokalisiert zu haben, kommt ein Fischerboot mit Polizeibesatzung vorbei und will uns zum Stadtkai abschleppen. Das ist nicht notwendig. Wir können die Starship ja mit dem Backboardruder steuern..
Die Polizei macht kurzen Prozess. Das Boot ist defacto beschlagnahmt, bis wir den Nachweis über einen Sachverständigen erbringen können, dass das Boot wieder einwandfrei funktioniert. Die Botschaften werden informiert. Die Adresse einer Gutachterin erhalten wir zusätzlich.
Das Steuerrad ist schnell repariert – dauert 5 Minuten. Kleiner Fehler – große Wirkung. Dass wir einfach gleich auf die Backboardseite wechseln oder den Autopiloten einschalten, daran haben wir gar keinen Gedanken verloren. Naheliegender war leider, anzunehmen, dass tatsächlich die Steuerseile gerissen sind und das Ruder feststeckt.
Auf die Gutachterin warten wir einen Tag, auf ihr Gutachten einen weiteren halben Tag. Zeit, die wir in Sitia gut nützen können. Dienstag zu Mittag haben wir das Gutachten und kurz darauf die Freigabe der Hafenpolizei. Am Dienstag Nachmittag, also genau 48 Stunden nach Mayday, geht die Reise weiter.
Jede Ausrede ist uns recht, um ein verlängertes Wochenende zum Boot zu fahren und die Wartezeit zum Sommertörn zu verkürzen.
Freitag um 16:00 Uhr kommen wir an, Leihauto holen, Minieinkauf. Um 18:00 Uhr sind wir am Boot, Wasser tanken, alle Abdeckungen wegräumen, unser Handgepäck ausräumen (nur Ersatzteile), und um 19:00 Uhr legen wir ab mit Ziel „Krios Bay“.
Die Batterien scheinen in Ordnung. Der Toploader läuft auf Volltouren. Alle Getränke sind herrlich kalt. Also war unsere Sorge unberechtigt. Es dürfte tatsächlich nur eine von vier Batterien den Geist aufgegeben haben; die drei anderen arbeiten gut. „Nur mal die Batterie checken“ war dann wohl tatsächlich nur ein Vorwand, um aufs Boot zu fahren.
Um 20:15 Uhr fällt der Anker. Nach einer rolligen Nacht verlegen wir uns Samstag in der Früh nach Spinalonga, 1 Stunde unter Motor – ein guter Deal. Die 20 – 33 Kn Wind lassen sich in dieser Lagune mit Schlammboden und ohne Wellengang besser aushalten als in der Krios Bay. Denn vor uns liegen drei Arbeitstage.
Wir montieren einen neuen Gasmelder und einen neuen Kohlenmonoxidmelder – alle 10 Jahre soll man diese Geräte tauschen. Hätten wir einen baugleichen Gasmelder genommen, wäre es ein leichtes Unterfangen. So müssen wir den Gasmelder zur Gänze neu verkabeln. Hinter dem Gasherd durch, unter der Bodenplatte beim Kühlschrank abzweigen zur Abwasch, vor dort in den Motorraum, dann entlang der Batterien zum Batteriehauptschalter. Alte Sushi-Stäbchen dienen als Führung für das Kabel, um unter den Bodenplatten vorwärts zu kommen. Die Kabellänge (besser Kabelkürze) verlangt genauestes Arbeiten, kein Millimeter Kabel darf verschenkt werden, der Weg muss optimiert werden.
Der zweite Badezimmerspiegel bekommt eine Spiegelsteinumrandung.
Ein Scharnier unter der Abwasch hat sich verselbständigt und wird wieder auf Spur gebracht. Zum Glück haben wir 10 Ersatzscharniere – nur, weil man die aber so selten braucht, im hintersten Winkel verstaut.
Eine größere Angelegenheit ist die elektrische Winch. Schon vor gut 5 Jahren hat der „Slow“-Modus aufgehört zu arbeiten. Nach einigen erfolglosen Versuchen mit Kontaktspray und Säubern von Kontakten hat unsere Fehlereingrenzung ergeben, dass es wohl an der „Controlbox“ liegen muss. Kaum haben wir den Ersatzteil an Bord, funktioniert der „Slow-Modus“ wieder (nicht immer, aber oft genug). Also wird die Controlbox verräumt und wartet auf ihren Einsatz.
Beim Mai-Törn fällt der „Fast-Modus“ aus. Aber dieses Mal klingt es anders, wenn wir die Taster betätigen. Das vertraute „Klicken“ fehlt. Wir tauschen die Taster, um auszuschließen, dass es am Taster liegt. Richtig, beide Taster funktionieren.
Wir prüfen überall, ob Strom anliegt. Nur bei der Controlbox für den „Fast-Modus“ zeigt der Multimeter „0“.
Gut, dann bauen wir die neue Controlbox ein. Leicht gesagt, schwer getan, denn wie üblich ist es ein mehrstündiges Überkopfhantieren auf dem kleinen Vorsprung in der Backboardkabine sitzend bei gefühlt 40 Grad.
Dazu kommt noch, dass wir beim Montieren erkennen, dass die alte Controlbox entgegen der Anleitung falsch (also kopfüber) verbaut war und wir neue Löcher bohren müssen, um die Box vertikal anzubringen. Warum sie falsch montiert war, erklärt sich beim Anschrauben der Leitungen. Vertikal montiert ist es deutlich komplizierter, die Leitungen so anzubringen, dass sie sich nicht berühren können.
Ganz zum Schluss tauschen wir noch die Taster zum Betätigen der Winch aus. Die Sonne setzt dem Gummi so stark zu, dass es sich nur noch um Monate gehandelt hätte, bis diese von selbst zerbröselt wären. Alte Taster abmontieren, Untergrund vom Silikon befreien, neu Silikonisieren, neue Taster anschrauben. Und zum Schutz vor der Sonne nähe ich eine Abdeckung aus grauem Sunbrella.
Wenn die Nähmaschine schon heraußen ist, dann wird die Halterung für die Badeleiter erneuert und die „Vorhänge“ für die Sprayhood werden ausgebessert.
Am Sonntag Abend bekommt der Kühlschrank noch eine neue Dichtung. Die alte hatte keine Elastizität mehr. Wir drehen auch den zweiten Kühlschrank auf und genießen den letzten Abend am Boot.
Wir schlafen die ersten Stunden der letzten Nacht im Cockpit. Nach dem starken Wind der letzten beiden Tage mit Böen bis 33 Kn tut es so gut, draußen liegen zu können. Erst kurz von 1 Uhr wollen wir uns in die Kabine legen. Noch schnell ein kaltes Mineral aus dem Kühlschrank – und schon stehe ich mit einem Fuß in einer Lache vor dem Kühlschrank. Das kann nur vom Kühlschrank kommen. Wir öffnen beide Kühlschränke. Beide tauen ab. Die Batterieanzeige ist bei 92% und 12,3 Volt. Also doch – die drei verbliebenen Batterien geben auch ihren Geist auf. Zu wenig Spannung führt dazu, dass die Kühlschränke keine Energie bekommen, um zu arbeiten. Und damit sinkt die Batterieanzeige auch nicht.
Wie gut, dass wir hier sind. Also doch keine Ausrede. „Nur mal die Batterien checken“ war schon okay.
Am nächsten Morgen zurück in Agios Nikolaos organisieren wir neue Batterien, die im August geliefert werden – aber das ist eine andere Geschichte.