Wir legen zeitig ab, der Ankerplatz war schrecklich rollig. Beide sind wir müde. Nach und nach reffen wir aus, hohe Wellen, wenig Wind und der kommt genau aus der Richtung, in die wir wollen. Unser Ziel ist Astipalea – 35 Seemeilen entfernt. Für die ersten 5 Seemeilen brauchen wir mehr als 2 Stunden. Dann setzt Wind ein. 15 Knoten, 20 Knoten. Wir reffen ins zweite Reff und ziehen die Segeljacken an. Automatikweste drüber,, Haube auf, Handschuhe an.
25 Knoten wahrer Wind. Noch ein Reff. Wir müssen ja gegenan. Spaß ist das keiner mehr – schon gar nicht, wenn das noch mindesten 10 Stunden so geht und wir im Dunkeln ankommen.
Was nun?
Umkehren. Unsere einzige Option.
Die nächste Insel mit einem guten Ankerplatz ist Kos. 8 Seemeilen entfernt auf der „windabgewandten Seite“. Einziger Haken: Kos ist eine Insel mit Fallböen. Der ohnehin schon starke Wind wird noch ein wenig verstärkt. Und das merken wir sobald, wir die „Leeseite“ der Insel erreichen. Die Bezeichnung „Leeseite“ ist technisch richtig, gefühlt ist es wie „Doppel-Luv“. Die Wellen sind weg, der Wind noch stärker. Nach und nach müssen wir auch die Genua wegreffen, bis nur noch 2 m2 über bleiben. Das Reffen der Genua ist immer ein „Gemurkse und Gefurze“ (wie Vizekanzler Kogler wohl sagen würde). Die gefierten Schoten schlagen lautstark. verheddern sich. Mit der linken Hand versuche ich die Genuareffleine über die Winsch einzuholen, mit der rechten Hand halte ich die backbordseitige Genuaschot, damit sie nicht wie verrückt aufs Segel schlägt.
Trotz der geringen Wellenhöhe werde ich dreimal mit Salzwasser geduscht. Dietmar noch öfter. Mehrmals kann ich mich noch rechtzeitig hinter der Sprayhood verstecken, die volle Salzwasserwucht trifft dann nur den Steuermann.
Die letzte Seemeile fahren wir unter Motor. Direkt auf die lange Sandbucht hin, in die Böenwalzen hinein. Der Anker fällt auf 5m. 40 m Kette halten uns. 5 andere Yachten finden auch Zuflucht hier.

35.2 Knoten wahrer Wind und 39 Knoten scheinbarer Wind sind unsere Tageshöchstwerte. Und Grund genug für den Umkehrschwung.
23/05/2024 um 17:22
Danke Uschi das ich das ich mitsegeln darf! mfg.pepi