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nothing's gonna stop us now


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2024 – Heute oder morgen?

Sollen wir heute, Samstag, den Schlag nach Astypalaia wagen, oder morgen?

Die Wettervorhersage ist für beide Tage recht ähnlich. Wind aus NNW mit 15 kn und Böen bis 22 kn, der im Laufe des Tages westlicher (und damit für uns ungünstiger) wird.

Wir entscheiden uns für „heute“, weil der Wind am Samstag etwas nördlicher beginnt und weil „was weiß man schon, wie es morgen wirklich ist“.

Die ersten 3 Seemeilen an der Küste von Kos sind geprägt von starken Fallböen, aber achterlichem Wind. Wir testen das neu konfigurierte dritte Reff. Passt.

Nach dem Kap luven wir an. Tatsächlich, der Wind kommt nördlich, damit können wir Höhe schaffen. Wir reffen aus, zweites Reff. Der Wind pendelt sich auf 17 Kn ein, manche Böen gehen bis 22 kn. Mit dem hohen Kurs zwischen 35 und 40 Grad ergibt das regelmäßig 20 kn scheinbaren Wind. Das zweite Reff ist ideal. Einzig die hohe Welle bremst immer wieder.

Prognosegemäß dreht der Mitte und wird westlicher. Wie gut, dass wir im ersten Drittel der Passage an Höhe gewinnen konnten, mit dem neuen Kurs steuern wir nun direkt die Insel an. Auf halber Strecke lässt der Wind nach, wir reffen aus, um keine 30 Minuten später schon wieder einzureffen.

Es ist ein traumhaft schöner Tag, sonnig, keine einzige Wolke, aber kalt. Wir haben Fleecejacken, Segeljacken, Haube und Handschuhe an.

Wenige Seemeilen vor Astypalaia, bereits in der Abdeckung der Insel, sinkt die Wellenhöhe und die Fallböendynamik setzt ein. Wir wollen ziemlich genau in die Mitte der schmetterlingsförmigen Insel. Genua weg, drittes Reff und Motor an, um die letzten 4 Seemeilen zu nehmen. Motor an, weil wir durch eine enge Passage müssen und uns nicht alleine auf das Großsegel verlassen können.

Der Anker fällt um 14.20 Uhr in der Bucht von Maltezana auf 7 m Sand. 40 m Kette versprechen eine ruhige Nacht, auch wenn Fallböen weiterhin über uns drüber ziehen.

6:12 Stunden, 32,07 Seemeilen, Durchschnittsgeschwindigkeit 5,17 kn, Höchstgeschwindigkeit 8,3 kn.

Und endlich gönnen wir uns einen Abend in einer griechischen Taverne.


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2024 – „KOS“-erniert

KOS-erniert ist die maritime Ableitung von kaserniert und bedeutet, dass wir vor der Insel Kos liegend einsatzbereit das Boot nicht verlassen (können) und die Ankerbucht auch nicht. Wind mit 25 kn zieht über uns. Das Meer ist voller Schaumkronen.

Auch gut. Es gibt immer viel zu tun an Board.

Das dritte Reff, das hier in Griechenland oft zum Einsatz kommt, läuft nicht gut genug, und das Großsegel im dritten Reff steht nicht gut. Wir bringen antal loops an beiden Reffleinen an und ändern den Zug am Achterlik/Unterlik.

Die backbordseitige Umlenkrolle des Genuatravellers ist ausgerissen. Wir behelfen uns mit einer sehr guten Ersatzlösung.

Die Holzleiste am Niedergang wird geschliffen und zwei Mal neu lackiert.

Weil so viel Wind beim Einholen der Genua war, ist die Reffleine am Anschlag. Auch das beheben wir, indem wir einfach die Genuschoten ausfädeln und 5 Mal um die Genua wickeln. Minimalinvasive Lösung.

Wir haben zwar noch ein paar frische Vorräte, aber wir nutzen die Gelegenheit, den eisernen Vorrat aufzubrauchen. Weil wir allen Proviant beschriften und seit 2018 mit einer Jahreszahl versehen, wissen wir, welchen „Jahrgang“ wir verkochen. Reis (2021 aus Sizilien) mit Gemüse-Sugo (2019 aus Sardinien), Gemischte Früchte (2018 aus Barcelona) und dann wären da noch 4 Dosen geschälte Tomaten und Tomatensauce (2014 aus Martinique). Die vergangenen 10 Jahre unter den Bodenplatten sind den Dosen anzumerken.


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2024 – Umkehrschwung

Wir legen zeitig ab, der Ankerplatz war schrecklich rollig. Beide sind wir müde. Nach und nach reffen wir aus, hohe Wellen, wenig Wind und der kommt genau aus der Richtung, in die wir wollen. Unser Ziel ist Astipalea – 35 Seemeilen entfernt. Für die ersten 5 Seemeilen brauchen wir mehr als 2 Stunden. Dann setzt Wind ein. 15 Knoten, 20 Knoten. Wir reffen ins zweite Reff und ziehen die Segeljacken an. Automatikweste drüber,, Haube auf, Handschuhe an.

25 Knoten wahrer Wind. Noch ein Reff. Wir müssen ja gegenan. Spaß ist das keiner mehr – schon gar nicht, wenn das noch mindesten 10 Stunden so geht und wir im Dunkeln ankommen.

Was nun?

Umkehren. Unsere einzige Option.

Die nächste Insel mit einem guten Ankerplatz ist Kos. 8 Seemeilen entfernt auf der „windabgewandten Seite“. Einziger Haken: Kos ist eine Insel mit Fallböen. Der ohnehin schon starke Wind wird noch ein wenig verstärkt. Und das merken wir sobald, wir die „Leeseite“ der Insel erreichen. Die Bezeichnung „Leeseite“ ist technisch richtig, gefühlt ist es wie „Doppel-Luv“. Die Wellen sind weg, der Wind noch stärker. Nach und nach müssen wir auch die Genua wegreffen, bis nur noch 2 m2 über bleiben. Das Reffen der Genua ist immer ein „Gemurkse und Gefurze“ (wie Vizekanzler Kogler wohl sagen würde). Die gefierten Schoten schlagen lautstark. verheddern sich. Mit der linken Hand versuche ich die Genuareffleine über die Winsch einzuholen, mit der rechten Hand halte ich die backbordseitige Genuaschot, damit sie nicht wie verrückt aufs Segel schlägt.

Trotz der geringen Wellenhöhe werde ich dreimal mit Salzwasser geduscht. Dietmar noch öfter. Mehrmals kann ich mich noch rechtzeitig hinter der Sprayhood verstecken, die volle Salzwasserwucht trifft dann nur den Steuermann.

Die letzte Seemeile fahren wir unter Motor. Direkt auf die lange Sandbucht hin, in die Böenwalzen hinein. Der Anker fällt auf 5m. 40 m Kette halten uns. 5 andere Yachten finden auch Zuflucht hier.

35.2 Knoten wahrer Wind und 39 Knoten scheinbarer Wind sind unsere Tageshöchstwerte. Und Grund genug für den Umkehrschwung.


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2024 – Windlotterie und Segelfreuden

Die ersten 4 Segeltage verlaufen unvorhergesehen (,) großartig.

Wir verbringen die erste Nacht in unserer Lieblingsbucht unweit von Agios Nikolaos. Unser Plan ist es, in den Norden zu segeln.

Am zweiten Tag starten wir schon um 6 Uhr in der Früh. Wir sind vorbereitet. Was fehlt, ist der angesagte Wind. Planänderung: Dann halt nicht Norden, sondern Osten. 13 Stunden später fällt der Anker vor einer kleinen Insel westlich von Kasos namens Armathia (in der Marmara Beach).

Dienstag gehen wir es ruhiger an. Wir legen gegen 8 Uhr ab, unser Ziel soll der Osten von Chalki sein. Aber wieder einmal entspricht der vorhergesagte Wind nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, wir disponieren um und segeln zur Insel Tylos. Wir wollen uns, weil es ohnehin schon spät ist und der Wind zugenommen hat, in die östlichste Bucht legen, aber kurz davor, entscheiden wir uns um. Angesichts der aktuellen Windstärke und der Enge der Bucht, wollen wir doch eine nördlichere und viel größere Bucht ansteuern. Das heißt, anluven um gut 20 Grad. Wir sind hart am Wind, zweites Reff im Großsegel, volle Genua, 22 Knoten scheinbarer Wind, keine Böen. Die Starship schießt dahin. Es ist eine reine Freude, zu sehen und spüren, wie gut das Boot im Wasser liegt. Eine Stunde später (nach über 11 Stunden unter Segel) haben wir die Bucht erreicht. Geschützt durch vorgelagerte Klippen und hohe Berge ist das Wasser ganz ruhig, es weht ein kleines Lüfterl, wir liegen seelenruhig vor Anker.

Mittwoch sagt der Windbericht „minimaler Wind aus Südwesten“ und abends etwas mehr. Wir setzen das Großsegeln zur Stabilisierung im zweiten Reff und motoren. Ich bin nur 5 Minuten unter Deck. In dieser Zeit setzt überraschend Wind ein, wenige Minuten später weht es mit bis zu 20 Knoten aus Nordost. Aus Nordost? Aber egal, es segelt sich herrlich. So schlagartig wie der Wind gekommen ist, so schlagartig ist er auch wieder weg. Wir sind auch fast schon am Ziel, eine kleine Insel vor Kos.

Morgen soll der Wind aus Nordwesten kommen. Mal sehen :-).


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2024 – Ein Nachtrag zu „Stressfrei segeln“

Was ist das Gegenteil von „Stressfrei segeln“? 10 Tage in der Marina reparieren. Ich weiß, wovon ich spreche.

Letzten Oktober gönnen wir uns 10 Tage Segelurlaub. Das Boot ist ja fix und fertig segelbereit. Wir müssen nur den Inlet Strainer der Wasserpumpe austauschen (feuchte Albträume). 11 Euro Ersatzteil mit großer Wirkung (das Geräusch der reparierten Pumpe ist hervorragend), das Boot außen putzen, Proviant einkaufen, Wasser tanken und Diesel in Kanistern von der Tankstelle holen. Wir gehen noch entspannt am Samstag Abend essen und wollen Sonntag früh starten.

Ein nerviges Tropfgeräusch lässt mich einfach nicht einschlafen. Im Nachthemd und mit der Taschenlampe ausgestattet mache ich mich auf die Suche. Das Tropfgeräusch kommt aus dem Motorraum. Ich traue meinen Augen nicht. Das Ausweichgefäß für den Coolant, das zu Mittag noch halbvoll mit grüner Kühlflüssigkeit war, ist voll mit Wasser und von dort tropft es. Ich koste: Süßwasser.

Sonntag – keine Abreise. Wir rätseln, was passiert sein kann, fragen Stegnachbarn und die Schwarmintelligenz (ein Seglerforum), ob unser Verdacht richtig sein kann: Der Coolant im geschlossenen Kühlkreislauf des Dieselmotors wird in zwei dicken Schläuchen zum Boiler und vom Boiler zurück zum Motor geführt – zur Kühlung und damit wir auch unterwegs warmes Wasser haben. Vermutlich sind diese Kupferschläuche im Inneren des Boilers gebrochen und das Boilerwasser ist durch den Druck der frischen Wasserpumpe in den Kühlkreislauf des Motors gelangt.

Was nun?

Variante 1: Kühlkreislauf kurz schließen, Boiler überbrücken, Süßwasserkreislauf kurz schließen (auch hier den Bolier überbrücken), Coolant kaufen und neu eingießen und ohne Warmwasser SEGELN

Variante 2: Reparieren.

Wir entscheiden uns fürs Reparieren, den Variante 1 wäre ja nur eine kurzes Lösung.

Natürlich gibt es keinen QUICK Boiler in Kreta lagernd. Aber in Athen und der wird am Mittwoch geliefert. Baugleich – denken wir. Ist er aber nicht. Die Anschlüsse haben sich in den vergangenen 15 Jahren geändert.

Um den alten Boiler auszubauen, müssen wir den Sitzteil der Salonbank abbauen. Das war 15 Jahre lang nicht erforderlich. Die 20 Schrauben lassen sich zum Teil nicht mehr herausschrauben. Wir müssen bohren. Das Gewinde ist kaputt. Wir suchen in mehreren Handwerkerläden in Agios Nikolaus nach Ersatzschrauben (finden aber keine). Und natürlich: der Boiler ist dort eingebaut, wo er im Regelfall nicht stört, wo man aber auch nicht gut hinkann. Ich liege flach ausgestreckt auf der restlich Sitzbank und schraube mit der rechten Hand, während ich mich mit der linken Hand abstütze. Ich bin voller blauer Flecken an beiden Armen.

Im Seglerforum rät man uns, zusätzlich eine Vorrichtung zu schaffen, damit wir die beiden Kreisläufe (Motorkühlung und Boiler) trennen können.

Der englisch sprachige Mitarbeiter im örtlichen Installateurladen kennt uns nach dem zweiten Besuch schon. Wir kaufen jede Menge Dichtband, Schellen, 2er und 3er, Schläuche.

Stunden um Stunden (zwei Tage lang) versuchen wir die Konstruktion dicht zu bekommen, bauen den Boiler ein, pumpen Wasser, und hoffen, dass es nirgendwo tropft. 2 Versuche gehen schief. Und jeder Versuch ist begleitet von 40 l Wasser in der Bilge, das wir schöpfen müssen, weil wir jedes Mal den Boiler füllen und dann wieder leeren müssen. Jeden Abend müssen wir aber die Werkstatt wieder in den Salon umbauen, um wenigsten am Abend „Urlaubsfeeling“ zu haben. Alles Werkzeug wegräumen, die Sitzbank wieder zurückbauen, putzen um den Arbeitsdreck wegzubekommen. Wir sind schon ein wenig verzweifelt.

Beim dritten Versuch am Freitag klappt es. Allerdings haben wir auf alle Zusatzfeatures verzichtet, nur den Boiler angeschlossen, Wasser nachgefüllt und ganz am Schluss sogar den Coolant getauscht (natürlich haben wir davon die Rest vom alten ordentlich entfernt).

Mit dem großartigen Gefühl, den Boiler erfolgreich getauscht zu machen, können wir gestärkt gleich dazu übergehen, das Boot winterfest zu machen (Segel abnehmen, ….), denn damit war der Urlaub vorüber.


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2024 – „Stressfrei segeln“

Vor einigen Jahren hat Dietmar ein Buch gekauft. „Stressfrei segeln“ für Ehepaare mit guten Tipps zum Ankern, Manöver fahren, etc.

Aha!

Unser Segeljahr im Mai startet mit:

Leihauto abholen (okay), Einkaufen (okay), Pakete von der Marina abholen (okay), Batteriestand prüfen (100% = sehr okay), Segel anschlagen (samt allem drumherum) in Rekordzeit (weniger als 3 Stunden – super okay), Reffleinen legen (okay), Sprayhood und Bimini aufziehen (okay), Motorraum, Motoröl, Coolant prüfen (sehr okay), Dieselmotor starten (sehr okay), Anker ausprobieren (sehr okay), Wassertank reinigen, frisches Wasser über den Filter einfüllen (sehr okay), Wasserpumpen und Wasserhähne ausprobieren (sehr okay – nachdem ich zwei Filter reinige), Kühlschrank einschalten (sehr okay), Boiler anschalten und heißes Wasser verwenden (super okay), Gashahn aufdrehen und Ofen nutzen (sehr okay), Navigation aufdrehen (sehr okay), Neues Seeventil für „Blackwater“ testen (easy going = sehr okay), Bilge checken (staubtrocken = sehr okay). Rumvorrat prüfen (geht so :-)).

Fazit: Nichts zu reparieren! Leinen los und raus ins Abenteuer.

Das nenne ich „Stressfrei segeln“.